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NWZonline.de Region Bremen

Fall Kevin beschäftigt die Justiz weiterhin

30.04.2010

BREMEN Der wegen fahrlässiger Tötung des kleinen Kevin angeklagte Fallmanager vom Amt für Soziale Dienste kommt ungeschoren davon. Das Landgericht hat das Verfahren gegen ihn eingestellt – „wegen des dauernden Verfahrenshindernisses der Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten“. Da der 58-Jährige krank ist, wird es für ihn weder eine Strafe noch eine Verhandlung geben. Vor Gericht verantworten muss sich hingegen der Amtsvormund Kevins.

Der Fall Kevin hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Er steht für das Versagen des Staates, denn Kevin stand unter Aufsicht des Jugendamtes. Die Leiche des zweijährigen Jungen war im Oktober 2006 im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters entdeckt worden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wusste der zuständige Fallmanager spätestens seit August 2004, dass die damals noch lebende Mutter und ihr Lebensgefährte mit der Betreuung des Kindes überfordert waren. Ärzte hätten ihn damals bereits darauf hingewiesen, dass der Junge misshandelt werde.

Auch der im November 2005 eingesetzte Amtsvormund (67) hatte der Anklagebehörde zufolge genug Hinweise erhalten, die ihn an der Sicherheit des Kindes hätten zweifeln lassen müssen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet deshalb: Beide Angeklagte hätten es versäumt, rechtzeitig für eine räumliche Trennung des Kleinkindes von seinem Ziehvater zu sorgen. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Amtsvormund und seinen Kollegen bereits im Dezember 2007 Anklage erhoben. Dass es erst jetzt zu dem Prozess kommt, erklärte das Gericht mit der schwierigen Rechtslage und den umfangreichen Akten.

Der Fallmanager konnte wegen seiner schweren Erkrankung auch vom Kevin-Untersuchungsausschuss nicht gehört werden. Laut Richter Dr. Thorsten Prange hat die zuständige Kammer des Landgerichts zur Frage der Verhandlungsfähigkeit mehrere ärztliche Stellungnahmen und ein Sachverständigengutachten eingeholt.

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