Bremen - Das Land Bremen will dem Fachkräftemangel in der Altenpflege mit einem deutlichen Ausbau der öffentlich geförderten Schulplätze begegnen. Ihre Zahl solle im kommenden Jahr um 50 Prozent auf dann 120 aufgestockt werden, kündigte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) am Mittwoch bei einer ersten Bilanz der Landespflegeinitiative gegen den Fachkräftemangel an. Der Bremer Gesundheitsökonom Heinz Rothgang warnte, bundesweit steige der Bedarf an Fachkräften für die Langzeitpflege stärker als die Zahl der Pflegebedürftigen.
In den Altenpflegeschulen des Landes gibt es derzeit 84 öffentlich geförderte Schulplätze. Das reicht nicht: Zum neuen Ausbildungsstart mussten jetzt nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Freien Wohlfahrtspflege 120 qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber abgelehnt werden. Überdies gebe es massive Probleme bei der Vergabe von Bildungsgutscheinen für Umschüler, mahnte LAG-Geschäftsführerin Sylvia Gerking. Das wies der Geschäftsführer des Jobcenters in Bremen, Helmut Westkamp, zurück.
„Wir stehen nicht auf der Bremse“, sagte Westkamp. Jeder, der auf Altenpflege umschulen wolle und könne, bekomme einen Gutschein. Allerdings gibt es nach seinen Angaben eine Abbruchquote von 50 Prozent, die Vertreter von Altenpflegeschulen im Land Bremen auf Nachfrage des epd allerdings nicht bestätigten.
Zu den größten Herausforderungen des Fachkräftemangels in der Pflege gehört Rothgang zufolge die Attraktivität des Berufs. „Wir brauchen mehr Geld, um bessere Löhne zu zahlen und mehr Stellen zu schaffen“, sagte der Experte für Gesundheitspolitik und Versorgungsforschung. „Das gilt insbesondere, wenn zukünftig andere Branchen aktiv um Arbeitskräfte werben.“ 2030 könnten nach seinen Berechnungen bundesweit knapp 500 000 Fachkräfte für die Langzeitpflege fehlen, wenn nicht gegengesteuert wird.
Mehrfach wurde während des Forums für Bremen ein umlagefinanzierter Ausbildungsfonds gefordert, wie es ihn in Hamburg, im Saarland und in Rheinland-Pfalz gibt. Das bedeutet: Alle Pflegeeinrichtungen zahlen entsprechend ihrer Größe, der Zahl ihrer Bewohner oder Kunden und der beschäftigten Fachkräfte in einen Fonds. Einrichtungen und Dienste, die selber ausbilden, bekommen aus diesem Topf dann die Ausbildungsvergütung erstattet.
„Wir wollen die Umlage“, sagte Klaus Krancke vom Referat für ältere Menschen bei der Sozialbehörde. „Aber wir wollen sie gerichtsfest.“ Er rechnet mit Einsprüchen von Diensten und Heimen, die eine solche Umlage nicht zahlen wollen. Die Pflegeinitiative gegen den Fachkräftemangel im Land Bremen hat im vergangenen Jahr ihre Arbeit aufgenommen und will eine Reihe von Maßnahmen initiieren, um mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen.
