Bremen - Freude im und am Bremer Fallturm – das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und der Bremer Uni bekommt Zugriff auf „Galileo“-Daten.

Als im August vergangenen Jahres bekannt wurde, dass die „Galileo“-Satelliten 5 und 6 nicht die für sie vorgesehene Höhe erreichten, erkannte Professor Claus Lämmerzahl, geschäftsführender Direktor des Zarm, darin einen „möglichen Glücksfall für seine Forschungen zu Einsteins Relativitätstheorie“.

Jetzt hat Lämmerzahl vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Genehmigung und Unterstützung für sein Projekt bekommen. Der Bremer beginnt im Oktober mit der wissenschaftlichen Auswertung der „Galileo“- Daten.

„Milena“ und „Doresa“ waren ursprünglich dafür konzipiert worden, die Erde in 23 000 Kilometern Höhe zu umkreisen und als Teil des europäischen GPS-Systems hochpräzise Navigationsdaten zu liefern. Aufgrund von eingefrorenen Treibstoffleitungen auf der russischen Trägerrakete „Sojus“ wurden die beiden Satelliten statt auf der geplanten Kreisbahn auf einer elliptischen Umlaufbahn ausgesetzt – und sind folglich für diesen Zweck nicht mehr geeignet.

Da ihr Abstand zur Erde regelmäßig zwischen 17 500 und 25 000 Kilometern variiert, lassen sich die von den Satelliten gespeicherten Zeitdaten hervorragend zur Untersuchung der sogenannten gravitativen Rotverschiebung verwenden, hieß es am Montag.

Zur Erklärung: „Die Rotverschiebung besagt, dass Gravitation die Zeit beeinflusst.“ Da die „Galileo“-Satelliten zweimal täglich ihre Höhe um fast 8000 Kilometer ändern, liefern sie eine immense Datenmenge. Lämmerzahl erwartet deshalb, den Effekt der Rotverschiebung mit einer um den Faktor zehn verbesserten Genauigkeit nachweisen zu können.