Bremen - Im Prozess um den Großbrand bei Harms am Wall vor dem Landgericht Bremen hat eine Gangexpertin am Dienstag den Angeklagten Thomas M. (53) schwer belastet. Sie hatte erneut das Videomaterial untersucht und kommt zu dem Schluss, dass der maskierten Mann, der kurz vor dem Feuer gefilmt wurde, zu „95 bis 100 Prozent“ der 53-Jährige ist.
Thomas M. soll laut Anklage mit dem ehemaligen Geschäftsführer des Modehauses, Hans Eulenbruch (64), im Mai vergangenen Jahres einen Raubüberfall vorgetäuscht und das historische Gebäude in Brand gesteckt haben. Laut Staatsanwaltschaft wollte Eulenbruch, der lediglich Mieter der Immobilie war, vorrangig die Versicherungssumme für vernichtetes Inventar kassieren. Den Männern drohen bei einer Verurteilung wegen besonders schwerer Brandstiftung, Vortäuschens einer Straftat und Versicherungsbetrugs mindestens fünf Jahre Haft. Doch bislang konnte Staatsanwalt Jan Möhle nur Indizien präsentieren – einziger Sachbeweis ist ein Video, das Eulenbruch und M. bei der – so die Anklage – „Tatortbegehung“ zeigen soll.
Bereits Mitte August untersuchte die Sportwissenschaftlerin der Universität Bremen das Gangmuster des maskierten Täters. Da das Vergleichsmaterial zum damaligen Zeitpunkt nicht aussagekräftig genug war, musste ein zweites Gutachten her. Jetzt ist die 58-Jährige sicher: Der auf dem Video des Seiteneingangs aufgenommene Mann soll Thomas M. sein.
Konkret habe sie drei Gangeigenschaften feststellen können: „Die unterschiedliche Außenrotation der Füße, eine leichte X-Beinstellung und das unvollständige Abrollen eines Fußes“, berichtet sie vor Gericht. Die Sportwissenschaftlerin, die vorrangig Gangbilder nach Verletzungen oder Operationen untersucht und solch einen Vergleich zur Identifizierung einer Person zum ersten Mal durchgeführt habe, lässt an ihrer Arbeit wenig Zweifel: „Es gibt kein Muster, das mit anderen identisch ist.“
Auch gebe es keine Statistik, die aufzeige, wie viele Menschen mit welchen Gangmerkmalen versehen seien. Trotz der Kritik bleibt die 58-Jährige dabei: „Ein Merkmal wäre nicht verwunderlich. Aber in der Kombination ist das Gangbild einmalig.“
