Bremen - Seit Prozessbeginn gegen den ehemaligen Geschäftsführer von „Harms am Wall“, Hans Eulenbruch (64), gelten für die Staatsanwaltschaft finanzielle Schwierigkeiten als Hauptmotiv für den Großbrand im Mai vergangenen Jahres. Dafür gibt es allerdings keine Anhaltspunkte. Das zumindest geht aus den Schilderungen eines vom Gericht beauftragten Wirtschaftsprüfers am Dienstag vor dem Landgericht hervor. Beide ehemals vom 64-Jährigen geführten Läden liefen gut und schrieben positive Zahlen, so der Finanzexperte.
Der abschließende Bericht des Wirtschaftsprüfers umfasst 126 Seiten, die nach Angaben des Sachverständigen keine Hinweise darauf geben, dass Eulenbruch oder seine Geschäfte zwischen 2011 und unmittelbar vor dem verheerenden Feuer in irgendwelchen finanziellen Schwierigkeiten gesteckt hätten. Der 73-jährige Experte für Unternehmensbewertung forstete sich durch die Zahlen der beiden Geschäfte F.H. Harms und Milani Moden.
Jetzt gab es das Ergebnis, das Zweifel an der Theorie von Staatsanwalt Jan Möhle aufkommen lässt. Er wirft Eulenbruch und dem Mitangeklagten Thomas M. (53) vor, aufgrund von Schulden erst einen Überfall vorgetäuscht und dann das Haus angezündet zu haben. Beide sind wegen Versicherungsbetrugs, Vortäuschens einer Straftat und schwerer Brandstiftung angeklagt.
Für den Wirtschaftsprüfer sprechen drei Hauptgründe gegen finanzielle Engpässe. Eulenbruch habe von der Sparkasse kurz vor dem Brand einen Kredit über 500 000 Euro bewilligt bekommen. „Das macht keine Bank, wenn der Kunde pleite ist“, sagt der Gutachter. Anderseits sei der damalige Räumungsverkauf sehr gut angelaufen. Und letztlich spricht der Gutachter den gewonnenen Gerichtsstreit Eulenbruchs mit seinem Vermieter an, wodurch Eulenbruch 220 000 Euro für notwendige Renovierungsarbeiten sicher gewesen wären.
Der Wirtschaftsexperte führte weiter aus, dass „Harms am Wall“ zwischen 2011 und 2014 jährlich 84 000 Euro Reingewinn erwirtschaftet hätte, mit Abschluss des Jahres 2014 waren es sogar 88 000 Euro. Auch bei dem Schwesterunternehmen Milani Moden würden die Zahlen eine „unauffällige Ertragslage“ sowie eine „geordnete Vermögenslage“ zeigen.
Mit Blick auf Bonitätsprüfungen hätten die Läden „ein besseres Rating als der Branchenschnitt“ gehabt, was bedeute, dass Eulenbruch zum Beispiel Lieferanten immer pünktlich bezahlt habe.
