Bremen - Seit November 2014 bringt die Stadt Bremen kriminelle, minderjährige Flüchtlinge in Bremen-Nord in einem Heim des Ex-Boxers Lothar Kannenberg unter. In Farge wird das kritisch beäugt, Kannenberg bekam Morddrohungen, es gab Demonstrationen gegen die Einrichtung.
Der Grund: Dort werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht, die wegen Gewalt und Drogen aus anderen Heimen geflogen sind. Die CDU wollte jetzt von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) wissen, wie zufrieden sie mit der Arbeit der „Akademie Kannenberg“ an der Rekumer Straße ist und was diese eigentlich kostet.
Die Antworten sind vage. 20 Jugendliche haben seitdem dort gelebt. Acht Jugendliche zogen fort – sieben mussten gehen. Einer zog in eine eigene Wohnung. Bleiben noch vier Jugendliche, die derzeit dort leben. Platz hätten acht.
Dennoch hält die Sozialsenatorin die Einrichtung für erfolgreich. „Die Delinquenz der Jugendlichen ist erheblich zurückgegangen“, heißt es in einem Schreiben an die Deputierten. Zum pädagogischen Konzept konnte sie wenig sagen und schlug vor, sich dieses im Jugendhilfeausschuss vorstellen zu lassen.
Gar keine Antwort gab es auf die Frage nach den Kosten. Im sozialpädagogischen Bereich würde man das grundsätzlich nicht offenlegen, sagte Stahmann. Sie habe oft erlebt, dass Träger ihre Preise anheben, wenn sie mitbekommen, dass die Konkurrenz höhere Sätze ausgehandelt habe. Außerdem hätten die Träger selbst stets auf Geheimhaltung gedrungen.
Die Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Silvia Gerking, halte es für gut, wenn die Endpreise veröffentlicht würden, wie es beispielsweise bei Seniorenpflegeheimen üblich sei. In intensivpädagogischen Einrichtungen wie der Rekumer Straße, in der das Betreuungsverhältnis nahezu eins zu eins beträgt, seien Tagessätze von 350 Euro üblich, sagte Stahmanns Sprecher Bernd Schneider.
Im Sommer sollen in Bremen zwei weitere Heime für extrem delinquente junge Flüchtlinge eröffnet werden. Es wird zehn Plätze „Am Sattelhof“ geben und acht an einem nicht genannten Standort. Wenn sie sich in diesen Heimen bewährt haben, sollen die Jugendlichen in die Rekumer Straße ziehen.
Ab Ende 2017 soll es dann, wie berichtet, ein Heim auf dem Gelände des ehemaligen Jugendgefängnisses im Blockland geben.
