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NWZonline.de Region Bremen

Huchtinger gegen Straßenbahnausbau

18.05.2017

Bremen „Man wird uns hören müssen“, sagt Christian Schlesselmann, Leiter des Ortsamts Huchting. Der Beirat Huchting hat am Montag gegen die geplante Verlängerung der Straßenbahn-Linie 1 und für den Erhalt des Buskreisverkehrs gestimmt. „Ich gehe davon aus, dass unsere Beteiligungsrechte verletzt wurden“, sagt Schlesselmann. „Es kann nicht sein, dass das Gesamtprojekt aus der Verlängerung der Linien 1 und 8 geändert wird und man jetzt nur die Linie 1 verlängert.“

Mit einem Planfeststellungsänderungsbeschluss vom 3. Januar dieses Jahres sei die Möglichkeit geschaffen worden, die Linie 1 unabhängig von der Linie 8 zu verlängern. Er habe den Beschluss erst über Umwege erhalten, sagt Schlesselmann. Zurzeit prüft laut Schlesselmann der Senator für Justiz, ob eine Verletzung der Beteiligungsrechte des Beirats Huchting vorliegt. „Die Verlängerung der Linie 1 war eigentlich gedacht, um die Linie 8 zu stärken“, so der Ortsamtsleiter. Beide sollten auch die Strecke der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn nutzen.

Der Abstimmung mit nur einer Gegenstimme ging eine heftige Diskussion zu einem Gutachten voraus, dass der Verlängerung der Linie 1 eine weitaus höhere Wirtschaftlichkeit zuschreibt, als dies in einem Vorgängergutachten von 2010 der Fall war.

Viele Huchtinger fürchten eine Verschlechterung ihrer Situation. Zwar bliebe bei einer Verlängerung der Linie 1 der bisherige Ringverkehr im Prinzip bestehen, doch die angebotenen Busfahrten würden weniger. Bewohner des Holländer-Viertels müssten umständliche Wege über das Roland-Center nehmen. „Das ist auch teurer, wenn man keine Monatskarte besitzt“, bemängelt Michael Horn (Linke).

Bernd Kollmann vom Consulting-Unternehmen Intraplan stellte die neuen Ergebnisse aus der „Standardisierten Bewertung“ einem skeptischen Beirat und einem misstrauischen Publikum aus etwa 150 Huchtingern vor. Eine solche Bewertung ist erforderlich, um Fördergelder vom Bund zu bekommen. Die Analyse ergab einen Nutzen von 1,38. Das heißt: Für einen Euro an Investitionen kommen 1,38 Euro zurück in die öffentlichen Kassen, 29 Cent mehr als bisher angenommen – und das ohne die bisher eingepreiste Verlängerung der Linie 8, mit der sich die Linie einen neuen Abschnitt auf der Strecke der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn geteilt hätte. Die Verlängerung ist zudem, so das Gutachten, neun Millionen Euro billiger geworden.

Gregor Rietz (CDU) ist verwundert, dass die „Manpower“ jetzt günstiger ist als beim Vorgängergutachten. Das verbessere natürlich die Bewertung des volkswirtschaftlichen Nutzens. „Ich habe eigentlich nicht gehört, dass die Löhne in den vergangenen Jahren gesunken sind“, sagt Rietz. Auch Heinz Böse (SPD) ist skeptisch: „Alles wird teurer, nur eine Straßenbahnverlängerung, die kein Huchtinger will, wird billiger.“

Auch jenseits der Zahlen gibt es Kritik. „Ganze Ortsteile werden abgeschnitten“, sagt Falko Bries (SPD). „Wir haben viele Alleinerziehende. Wenn die mit einem fiebrigen Kind zum Kinderarzt in die Huchtinger Heerstraße wollen, warten die 15 Minuten beim Umstieg.“ Auch ein neues Veranstaltungszentrum sei dann schwerer zu erreichen, hieß es.

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