Bremen - SL – diese beiden Buchstaben genießen in Kreisen von Automobilliebhabern einen geradezu legendären Ruf. Seit 25 Jahren wird dieser Roadster ausschließlich am Daimler-Standort Bremen gefertigt. Tatsächlich ist der zweisitzige Mythos auf vier Rädern sechs Jahrzehnte alt.

Über die Bedeutung des Kürzels SL gibt es selbst im Hause Daimler unterschiedliche Definitionen: Sport Leicht und Super Leicht. Urahn der SL-Baureihe ist der legendäre 300er-Flügeltürer, der mit seinem leichtgewichtigen Gitterrohrahmen direkt der Motorsportabteilung von Mercedes entstammt. Der sportlich und preislich gezähmte Nachfolger 190 SL lief ab 1955 serienmäßig von den Fließbändern in Stuttgart und ist bis heute das Symbol für die automobilen Träume der Nachkriegszeit.

„Der SL ist für Mercedes traditionell ein Imageträger und Renommee-Projekt“, sagt der Bremer Automobilhistoriker Peter Kurze. „Für das Werk in der Hansestadt war es ein unglaublicher Gewinn, als die Stuttgarter Konzernleitung ab 1989 die Fertigung der neuen Baureihe – werksinterne Bezeichnung R 129 – an den Standort Bremen vergab.“ Und der Teamleiter Qualitätssicherung Reiner Hartmann fügt hinzu: „Ein Ritterschlag für das Werk und die Mitarbeiter, dass uns das Stammhaus den Neuanlauf eines solchen Highend-Produktes zutraute.“

850 Millionen Mark investierte das Unternehmen seinerzeit in die Fertigung des SL-Roadsters. Die Halle 1 wurde von Grund auf umgebaut, zwei moderne Pressstraßen kamen hinzu. „Trotz der Kleinserie lag der Automatisierungsgrad bei deutlich über 50 Prozent“, so Kurze. „Mehr als 5800 Schweißpunkte setzten Roboter und Vielpunktschweißanlagen. Die Mitarbeiter kamen – als Test für die Großserienfertigung anderer Baureihen – in kleinen Teams zum Einsatz.“

Der Roadster aus Bremen trat die Nachfolge des legendären R 107 an. Erstmals wurde in der Baureihe R 129 ein versenkbarer Überrollbügel verbaut, der bei einem Überschlag innerhalb von 0,3 Sekunden ausfuhr. Die Verstärkung der A-Säule durch ein innenliegendes Rohr war ein weiterer wichtiger Sicherheitsaspekt. Erstmals kam ein Windschott zum Einsatz, das bei geöffnetem Verdeck deutlich mehr Komfort bot. Die Kunden konnten unter einer Vielzahl von Motorenvarianten wählen: Vom 2,8 Liter-Sechszylinder mit 193 PS bis zur V 12-Maschine mit 525 PS. Auch die von Tuner AMG modifizierten Roadster laufen bis heute an der Weser vom Band.