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NWZonline.de Region Bremen

Interview: „Ambitionen nach Außen tragen“

26.06.2020
Frage: Herr Orb, was erwarten Sie von dem „City-Gipfel“, den der Senat angeregt hat?
Orb: Es ist richtig, dass Bürgermeister Bovenschulte die Innenstadt nun zur Chefsache macht. Die Handelskammer sieht in dem geplanten City-Gipfel eine Chance, die Entwicklung der Innenstadt und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft auf eine neue Basis zu stellen. Die Corona-Krise hat die ohnehin schwierige Situation in der Innenstadt weiter verschärft. Dies macht eine enge Zusammenarbeit von allen Beteiligten unbedingt notwendig. Alleingänge bringen uns an dieser Stelle nicht weiter.
Frage: Welche Maßnahmen wären kurzfristig nötig, um die Attraktivität der Innenstadt zu erhalten?
Orb: Worauf es im Moment ankommt, ist ein Gesamtkonzept zur Sicherung und Stärkung der Innenstadt. Viele Einzelhandelsgeschäfte, Hotels und Gastronomiebetriebe sind angesichts der Corona-Krise massiv in ihrer Existenz bedroht; sie brauchen dringend Unterstützung und Perspektiven. Daher muss alles dafür getan werden, die Stadt für private und öffentliche Investitionen attraktiver zu machen.
Es muss jetzt vorrangig um investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und innovative urbane Konzepte, um ein kluges Leerstandsmanagement, um eine höhere Besuchsfrequenz, eine verbesserte Aufenthaltsqualität und ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept für eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt mit allen Verkehrsträgern gehen.
Frage: Was ist auf lange Sicht wichtig?
Orb: Neben einer Erhöhung der Erlebnis- und Aufenthaltsqualität sind gute Mobilitätsangebote für Innenstadtbesucher aus entfernteren Stadtteilen und aus der Umlandregion enorm wichtig.
Zu nennen sind hierbei eine Attraktivierung der Regio-S-Bahn, bessere Park-and-Ride-Angebote sowie die zügige Schaffung alternativer Stellplatzangebote in guter fußläufiger Entfernung zur Kern-Altstadt. Bremens Innenstadt muss den Anspruch, Oberzentrum der Metropolregion Nordwest zu sein, mit guter Erreichbarkeit und einem breiten Einkaufserlebnis untermauern.
Frage: Was wird in Zukunft neben dem Einzelhandel für eine attraktive City entscheidend sein?
Orb: Es wird auf Aufenthaltsqualität und eine attraktive Mischung ankommen. Weser und Wallanlagen sind enger mit der Einkaufsinnenstadt zu verknüpfen. Gastronomie, Kultur sowie Freizeit- und Dienstleistungsangebote müssen zusammen mit dem Einzelhandel mehr Anlässe bieten, die Bremer Innenstadt zu besuchen – oder gar gleich hier zu wohnen. Die Bremer Innenstadt muss durchmischter, belebter und bewohnter wirken. Vor allem aber muss sie ihre Ambitionen selbstbewusst nach außen tragen. Hierzu gehört an der einen oder andere Stelle auch mutige Architektur.
Frage: Die Handelskammer hat die geplante Einbahnstraßenregelung für den Wall kritisiert. Kritiker wie der Weinhändler Ralph Saxe (Grüne) forderten die Kammer daraufhin zu mehr politischer Zurückhaltung auf. Wie sehen Sie das?
Orb: Beim geplanten Rückbau des Straßenzuges Am Wall zu einer Einbahnstraße haben wir uns als Handelskammer rein fachlich zur verkehrlichen Erreichbarkeit des Standortes Innenstadt geäußert – eine Sachfrage, die die Wirtschaft unmittelbar betrifft. Das ist schließlich eine Kernaufgabe der Kammer, dass wir uns für einen prosperierenden Wirtschaftsstandort stark machen.
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