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NWZonline.de Region Bremen

„Aufrecht gehen, nicht gekrümmt!“

06.12.2019
Frage: Herr Maffay, Ihr neues Album „Jetzt!“ ist das 19. Nummer-Eins-Album, das es in die deutschen Charts geschafft hat. Ist das noch etwas Besonderes für Sie oder lediglich eine Zahl?
Peter Maffay: Das ist immer etwas Besonderes. Ganz einfach aus dem Grund, weil es auch anders hätte kommen können. Die Freude ist nicht gespielt.
Frage: Was unterscheidet Ihr neues Album von den bisherigen?
Maffay: Es ist rot (lacht). Musikalisch hat es das gleiche Spektrum wie die Vorgänger auch. Es ist soft, temporeich und kantig. Nur dass die soften Teile nun softer sind – und die kantigen noch kantiger. Das liegt in erster Linie an unserem neuen Gitarristen JB Meijers, der einen anderen Sound reinbringt. Das hört man auf jedem Song. Fünf Jahre sind seit unserem letzten Studioalbum vergangen. Also reflektiert man und schaut, was passiert ist und was die Kernthemen sind. Es geht nicht nur um Positionierung und Nachdenklichkeit. Es ist auch reiner Spaß.
Frage: 50 Jahre Bühnenerfahrung besitzen Sie. Wie gehen Sie heute an die Arbeit für Studioalben heran? Ist jeder Tag durchgeplant?
Maffay: Es gibt immer eine Struktur. Eine CD bietet einen gewissen Platz, da überlegt man sich genau, für was man diesen Platz benutzen möchte. In erster Linie geht es um Emotionen, um tiefsinnige und ernste Themen und Botschaften. Ein Album von uns ist nie nur reine Unterhaltung. Wir möchten auch Haltung zeigen und uns positionieren. Jeder in der Band hat ein Mitspracherecht. Was auf dem Album erscheint, muss jeder mittragen. Das Gefühl muss einfach stimmen. Das kommt wohl daher, dass wir uns immer noch ein bisschen als Garagenband verstehen.
Frage: Knapp 70 Preise stehen in Ihrer musikalischen Vita. Sind Ihnen Auszeichnungen wichtig?
Maffay: Wenn ich jetzt „Nein“ sage, lüge ich. Auszeichnungen sind etwas Besonderes – wenn sie aus der richtigen Ecke kommen. Ich verstehe Auszeichnungen als nette Geste. Bedenklich wird es dann, wenn man sie ständig putzt und sich in sie verliebt.
Frage: Im August haben Sie Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Wenn Sie zurückblicken: Hatten Sie bisher ein gutes Leben?
Maffay: Bisher war es perfekt. Im Prinzip würde ich mich wieder für mein Leben entscheiden. Einige Fehler würde ich versuchen zu vermeiden. Dafür würde ich bestimmt andere machen. Die Musik war schon immer mein Lebensmittelpunkt. Das habe ich nie bereut.
Frage: Ist so ein Leben im Rampenlicht nicht kräftezehrend?
Maffay: Es ist kräftezehrend. Aber das ist nicht der gefährliche Aspekt. Wenn ich müde bin, schlafe ich einfach. Das Benutztwerden ist das Gefährliche. Man muss sich unter Kontrolle haben, denn eine schlechte Seite hat so ein Bühnenleben: Man ist gezwungen zu gefallen. Und das kann zu Erosionen führen. Es haben sich schon viele geirrt und sind zugrundegegangen – Elvis, Michael Jackson. Die Fremdsteuerung ist gefährlich. Deshalb: Aufrecht gehen, nicht gekrümmt! Das muss man lernen und beherrschen. In 50 Jahren kommt einiges zusammen. Blaue Flecken holt man sich viele.
Frage: Denkt man an Peter Maffay als Künstler, verbinden viele lediglich Ihre Person mit der Musik. Was glauben Sie: Hätte es Ihre Karriere ohne Ihre Bandkollegen in dieser Form gegeben?
Maffay: Nein! Es hätte eine Karriere gegeben, aber sie wäre kurz gewesen. Ohne meine jahrelangen Wegbegleiter Bertram Engel, Carl Carlton, Frank Diez, aber auch Jean-Jacques Kravetz hätte es mich so nicht gegeben. Vermutlich im umgekehrten Sinn auch – wer weiß. Aus dem Miteinander auf der Bühne ist eine Lebensgemeinschaft entstanden. Und das Ergebnis davon ist die Musik.
Frage: In Ihren Texten besingen Sie oft das „innere Kind“. Wie wichtig ist es Ihnen, jung zu bleiben, ein Stück weit Kind?
Maffay: Es ist mir wichtiger, als alt zu werden. Alter lässt sich nicht an Zahlen bemessen, sondern an der Haltung. Ich will kein Berufsjugendlicher sein, doch die Dinge spielerischer anzugehen, weniger angestrengt – das ist ein gutes Ziel.
Frage: Im März kommenden Jahres gastieren Sie in Bremen. Was erwartet das Publikum?
Maffay: Es wird laut!
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