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NWZonline.de Region Bremen

„Bremen werde ich nie vergessen“

17.10.2017
Frage: Herr Rossi, erinnern Sie sich noch an Ihren Auftritt in Bremen beim „Musikantenstadl“?
Rossi: Bremen werde ich nie vergessen. Der Auftritt bei Karl Moik war was ganz Besonderes. Ich hatte meine Mama lange nicht gesehen. An dem Abend sagte Moik dann, da möchte Dich jemand begrüßen. Es war meine Mama. Vier Tage vorher hatte ich mit ihr telefoniert. Ich hatte ihr gesagt, dass das ein ganz wichtiger Auftritt wird. Sie ist dann aufgebrochen, ohne mir was zu sagen. Ich war mittlerweile schon fünfmal in Bremen. Das Publikum hat mir immer viel Freude gemacht. Nach zwei Liedern ist es voll dabei.
Frage: Sie haben ja selber auch als Straßenmusiker gearbeitet. Haben Sie sich die Bremer Innenstadt angeguckt?
Rossi: Ich bin zwei oder dreimal durchgegangen, erinnere mich aber nicht mehr so genau. Es versetzt mich aber jedes Mal in Erregung, wenn ich Musiker auf der Straße sehe. Ich habe das in Spanien auch gemacht, als ich 1985 aus Argentinien gekommen bin. Ich hatte erst in Hotels angefragt. Das klappte nicht. Ein Freund sagte, versuch’s doch mal auf der Straße. Das war nicht immer lustig.
Frage: Sie spielten dann in Hotels. Es hat noch viele Jahre gedauert, bis der große Durchbruch kam. Haben Sie da nicht zeitweise überlegt, die Musik an den Nagel zu hängen und etwas anderes zu machen?
Rossi: Ich habe immer an diese Zukunft geglaubt. Ich habe aber nicht gedacht, dass es so lange dauern würde. Als ich fast 40 war, dachte ich, wenn mein Traum jetzt nicht wahr wird, bleibe ich dabei, in Hotels zu singen. Dann habe ich in einem Hotel gespielt und Franz Koch von der Plattenfirma Koch International rief mich an, ich solle mich persönlich vorstellen. Er fragte mich, ob ich in deutscher Sprache singen könnte. Ich fand es interessant und bekam so 2001 meinen ersten Plattenvertrag.
Frage: Ihre Lieder drehen sich um Liebe, Familie und Heimat. Sie haben mit „Schön ist der Morgen“ eine deutsche Version von Cat Stevens „Morning has broken“ auf dem Album „Amor“ untergebracht. Zeigt das, dass Liebe für Sie mehr ist als nur die Beziehung zwischen Menschen?
Rossi: Dahinter steckte eine Konzept-Idee. Der Song hat die ganze Welt erreicht. Er ist wunderschön. Aber Liebe betrifft immer das ganze Leben. Gleichgültigkeit hat einfach keine Kraft.
Frage: Sie haben einmal gesagt, der erste deutsche Schlager, den Sie gehört haben, war von Roland Kaiser. Wissen Sie noch, welcher Song das war?
Rossi: Ja, es war „Santa Maria“. Das Lied hat mich total geprägt. Ich habe es im Radio gehört und es hat mir sofort gefallen. Es war diese Melodie, dieser Rhythmus und auch der Text.
Frage: Sie haben schon in Argentinien Lieder gesungen, die jeder kannte. Waren das irgendwie auch Schlager oder ist da doch ein großer Unterschied zu dem, was man in Deutschland Schlager nennt?
Rossi: Ich habe da Lieder wie „La Paloma“ gesungen. Das kann man aber nicht wirklich als Schlager bezeichnen. So was wie den deutschen Schlager haben wir da nicht. Wir haben Lieder, die das ganze Volk hört. So eine Welle wie der Schlager in Deutschland ist aber einmalig. Dass zehn Künstler auf eine Veranstaltung kommen und dass 10  000 Menschen zuhören, habe ich nie erlebt.
Frage: Sie sagen, dass gerade eine richtig gute Zeit für Schlager ist. Wie wird sich der Schlager in der nächsten Zeit Ihrer Meinung nach entwickeln?
Rossi: Ich denke, der Schlager ist auf einem Höhepunkt. Es sind so viele junge Leute aktiv, zum Beispiel Vanessa Mai und Helene Fischer. Der Schlager hat durch sie einen großen Impuls bekommen. Der Schlager ist modern und spritzig geworden. Er hat einfach eine sehr gute Entwicklung genommen. Wir haben mein neues Album auch ein bisschen daran angepasst. Das ist auch für junge Leute. Man kann sehr gut dazu tanzen. Es hat einen lateinamerikanischen Touch.
Am Mittwoch, 2. Mai 2018,ist Semino Rossi in der Glocke (Beginn: 19.30 Uhr) in Bremen zu sehen.
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