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NWZonline.de Region Bremen

So viel mehr als nur ein Job

14.10.2019
Frage: Der Gründer von SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner, hat gesagt: Alles Große in der Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut, als er muss. Was bedeutet dieses Zitat für Sie und Ihre neue Aufgabe?
Becker (40): Dieses Zitat unseres Gründers bedeutet mir sehr viel, denn es beschreibt, worauf es in unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ankommt: Wenn ich meine Aufgabe nicht nur als einen Job verstehe, sondern mich mit meiner ganzen Persönlichkeit einbringe, dann werde ich Großes erreichen. Die jungen Menschen, die zu uns kommen, haben häufig zu wenig Unterstützung und Bestärkung erfahren, obwohl sie tolle Persönlichkeiten sind. Wir stellen ihnen Menschen an die Seite, die Gmeiners Worte beherzigen und mehr tun, als sie müssen. Häufig nutzen diese Kinder ihre Potenziale aus und übertreffen nicht selten alle Erwartungen.
Frage: Die 18 Angebote des SOS-Kinderdorfes verteilen sich auf 13 Standorte in Bremen und Verden. Wo liegt aus Ihrer Sicht der Vorteil dieser dezentralen Einrichtung?
Becker: Wir bieten aktuell 64 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein zweites Zuhause. Diese Aufgabe steht im Mittelpunkt unserer Arbeit, deshalb werden wir diese Zahl sukzessive ausbauen. Als städtisches Kinderdorf sind unsere Wohnangebote über die Stadt verteilt, bestens integriert in die jeweilige Nachbarschaft. Auf diese Weise lernen die jungen Menschen von Beginn an das Zusammenleben mit den Nachbarn kennen und bleiben nicht nur unter sich. Das spricht für die dezentrale Struktur. Darüber hinaus leisten wir mit unserem Engagement in der Kindertagesbetreuung, der Frühberatung und der offenen pädagogischen Angebote einen wichtigen Beitrag für kind- und familiengerechte Lebensbedingungen in Wohnquartieren des Bremer Südens.
Frage: Die 136 hauptamtlichen Mitarbeiter werden von über 100 Ehrenamtlichen unterstützt. Warum ist Ehrenamt aus Ihrer Sicht wichtig?
Becker: Ein weiteres Zitat von Hermann Gmeiner lautet: „Gutes tun ist leicht, wenn viele helfen.“ Bei uns arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche nicht selten Hand in Hand. Wer das SOS-Kinderdorf-Zentrum in der Neustadt besucht, der kann das beobachten, etwa in unserem Café und im Second-Hand-Laden „Klamöttchen“. Aber auch in unseren anderen Angeboten sind Ehrenamtliche im Einsatz, zum Beispiel in unserem Mentorenprogramm für junge Flüchtlinge.
Frage: Wird es 2020 neue Hilfsangebote des SOS-Kinderdorfes Bremen geben?
Becker: Ja. Ich sage immer: Unser Kinderdorf ist eine Stadt. Das bedeutet, dass wir Verantwortung für Kinder, Jugendliche und Familien in Bremen übernehmen. Und da gibt es noch viel zu tun. So werden immer noch Geschwister, die vom Jugendamt in Obhut genommen werden, häufig an verschiedenen Orten oder in verschiedenen Gruppen untergebracht. Wir glauben fest daran, dass Geschwister gerade in Belastungssituationen eine wertvolle Ressource sind und eröffnen deshalb das SOS-Geschwisterhaus Bremen, um diese Kinder gemeinsam zu betreuen. Auch wird bereits seit längerer Zeit in der Bremer Jugendhilfelandschaft über Maßnahmen diskutiert, mit denen „Careleaver“ wirksam unterstützt werden können. Diese jungen Menschen, die einmal in einer Wohngruppe gelebt haben und nun ohne Betreuung sind, können aber nicht auf Gremienentscheidungen warten. Deshalb eröffnen wir noch in diesem Jahr, mitten in der Innenstadt, eine Anlaufstelle, in der wir den jungen Menschen helfend und beratend zur Seite stehen.
Frage: Für Ihre neue berufliche Aufgabe sind Sie von Hamburg nach Bremen gezogen. Was gefällt Ihnen an Ihrer neuen Heimat am besten?
Becker: Ich habe bisher nur in Städten gelebt, die von ihrem Fluss geprägt werden: in Köln, Hamburg und nun in Bremen. Das gefällt mir sehr gut. Ich halte mich gerne an der Weser auf und genieße das bunte Treiben dort. Richtig gut gefällt mir als Fußballfan, dass hier bei uns sogar das Fußballstadion direkt am Flussufer steht, denn das sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre auf dem Weg zum Spiel.
Frage: Was liegt Ihnen in den ersten Monaten besonders am Herzen?
Becker: Ich werde mit den jungen Menschen, die im SOS-Kinderdorf Bremen leben, als auch mit den Mitarbeitern ins Gespräch gehen, um zu erfahren, wie sie ihre Einrichtung wahrnehmen und welche Vorstellungen sie für die Zukunft haben. Nur im Dialog, davon bin ich überzeugt, entstehen gute Ideen.
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