Bremen - Beim Thema Einzelhandel geht es nicht nur um die Innenstadtentwicklung, sagt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. Die Kammer und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wollen ein anderes Thema in den Fokus rücken. Ihnen geht es um die Perspektiven des Einzelhandels aus Sicht der Beschäftigten. Unter anderem fordern sie, vom späten Ladenschluss um 22 Uhr abzurücken. Mit mehr als 20 000 Beschäftigten – davon sind 14 500 Frauen – und 8 000 Minijobern ist der Einzelhandel die viertgrößte Beschäftigungsbranche in Bremen, so Schierenbeck.
Seit 2007 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze um 16 Prozent gestiegen. Zugleich sinkt die Zahl der Vollzeitstellen im Einzelhandel kontinuierlich – gerade bei Frauen.
Jede zehnte berufstätige Frau in Bremen arbeitet im Einzelhandel. Aber immer weniger von ihnen können von ihrer Arbeit leben. „Viele kellnern am Wochenende“, sagt Susanne Meister, Betriebsratsvorsitzende bei Real in Bremen. Zudem gebe es Leiharbeitskräfte an der Kasse. „Nicht, weil wir das wollen. Wir finden sonst keinen.“ Das wiederum habe mit den Öffnungszeiten bis 22 Uhr zu tun, die familiäre Verhältnisse und Beziehungen belasten würden und auch für junge Leute nicht attraktiv seien.
Liane Hagner, Betriebsrätin bei Netto in Bremerhaven: „Durch die verlängerten Öffnungszeiten hat sich die Zusammensetzung des Personals geändert. Discounter greifen mehr auf geringfügig beschäftigte Arbeitskräfte zurück. Vollzeitbeschäftigte werden immer weniger und Teilzeitbeschäftigte überwiegend nicht mehr als 20 Stunden pro Woche eingesetzt.“
Eine Öffnungszeit bis 21 Uhr genüge, sagt Hagner. DGB-Chefin Düring verweist auf andere Bundesländer: Bayern und das Saarland sind bei 20 Uhr geblieben. Bremen hat sich für die Freigabe an Werktagen entschieden und erlaubt eine Öffnung von 0 bis 24 Uhr. Der Ladenschluss müsse auf 22 Uhr beschränkt werden, zudem müsse Bremen Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklären, fordern DGB und Arbeitnehmerkammer.
