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NWZonline.de Region Bremen

Karussells drehen sich am Karfreitag

02.04.2015

Bremen Das gab es noch nie in der Geschichte der Osterwiese: Der Rummel wird Karfreitag seine Pforten öffnen. Grund für diese Ausnahme vom Feiertagsgesetz ist das schlechte Wetter, das den Schaustellern den Auftakt der Saison so richtig verhagelt hat. Die Kirchen lehnten eine Öffnung ab.

Die Idee zur Sonderöffnung hatte am Dienstag der frühere Bausenator Jens Eckhoff, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes, ins Gespräch gebracht (wir berichteten). Beim traditionellen Osterwiesen-Frühschoppen Mittwochmorgen im „Riverboat“ wurde das Thema offen angesprochen. Innen-Staatsrat Thomas Ehmke signalisierte, das Anliegen „schnellstmöglich“ und „wohlwollend“ zu prüfen. Die Schausteller wandten sich anschließend ans Stadtamt, das als Veranstalter dem Wunsch der Marktbeschicker nachkam und beim Innenressort eine Öffnung am Karfreitag von 13 bis 23 Uhr beantragte. Nach Bremens vor wenigen Jahren gelockerter Regelung sind am Karfreitag Vergnügungsveranstaltungen von 6 bis 21 Uhr untersagt.

Einmalige Ausnahme

Heraus kam am Nachmittag ein Kompromiss. Da sich die Katholische und die Evangelische Kirche klar gegen eine Öffnung aussprachen, entschied das Innenressort in Abwägung der unterschiedlichen Interessen: Die Karussells dürfen sich am stillen Feiertag drehen, aber erst ab 18 Uhr. Sowohl Ressort als auch Marktbetreiber betonten, dass es sich „um eine einmalige Ausnahme“ handele.

Das Auftaktwochenende verregnet, dann der Sturm – die Schausteller waren bisher arg gebeutelt. Dienstag blieb die Osterwiese komplett dicht. Ob das Vergnügen in diesem Jahr eine Million Besucher anzieht, steht in den Sternen. Eine Verlängerung des Rummels ist wegen etlicher Anschlusstermine der Schausteller kaum möglich.

Die beiden Kirchen lehnten eine Öffnung kategorisch ab. Der Karfreitag habe als einer der wenigen stillen Feiertage einen hohen Stellenwert, sagte die Katholische Kirche. Und weiter: „Stille Feiertage sind wichtig, weil sie Menschen und Gesellschaft innehalten lassen.“ Auch die Bremische Evangelische Kirche (BEK) trat entschieden für den Schutz des Karfreitags ein. „Wir lehnen alle Initiativen ab, aus rein politischen oder finanziellen Interessen die Axt an die Wurzel des gesetzlichen Feiertagsschutzes zu legen.“

Beim Osterwiesen-Frühschoppen ging es neben dem Sturm um neue EU-Normen für Fahrgeschäfte, Notausgänge auf der Bürgerweide und die Investitionsplanung. Während draußen der Hagel auf das Zeltdach prasselte, trugen die Schausteller ihre drängenden Anliegen der Politik vor.

Geladen hatte die Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen in der SPD (AGS). Nicht nur in Sachen Wetter drückt die Schausteller der Schuh. Ein heikler Punkt ist für sie derzeit die Nicht-Übernahme von Bestandsschutzregeln für bestehende Fahrgeschäfte in die neuen EU-Normen. Schausteller Rudolf Robrahn appellierte an den Schutz jener „fliegenden Bauten“, die vor der Normsetzung in Betrieb genommen wurden. Auch eine bundesweit einheitliche Regelung sei dringend erforderlich.

Andreas Kottisch, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, gab den Schaustellern politische Rückendeckung. Im April werde die Forderung nach einer einheitlichen Regelung beschlossen, an weiteren Punkten gearbeitet. Als deklarierte Verfechter des Mindestlohns und der damit verbundenen Dokumentationspflicht der Arbeitszeiten zogen sich die Sozialdemokraten den Unbill der Schausteller zu. Sie halten eine Dokumentation aufgrund der Besonderheiten ihrer Branche für viel zu kompliziert. Kottisch erinnerte daran, dass es auch schon vorher eine Dokumentationspflicht gegeben habe.

Deutlich spürbar

Die Schausteller konterten, dass es jedes Jahr schwieriger und teurer für sie werde, auf Reisen zu gehen. Ein Bürokratieabbau fördere hingegen eine reguläre Beschäftigung.

Deutlich spürbar war das Bedürfnis nach Planungssicherheit. Gebühren, Standplätze und Sicherheitskonzepte müssten so angelegt sein, dass man über einen längeren Zeitraum gewinnbringend wirtschaften könne, um schlechte Zeiten ausgleichen zu können. Die beste Planung nütze aber nichts, wenn beispielsweise der aufwendig erstellte Rundgang über die Bürgerweide von den Besuchern nicht komplett durchlaufen werde, weil die vorgeschriebenen Notausgänge offenstünden und als „Ausgang“ beschildert seien.

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