Bremen - Es war die Zeit der großen Revuen, der Showballetts, der Orchestermusik, der Sensationen und der großen Gesten. „Die große Coperlin-Show“ holt diese Zeiten wieder – in das 21. Jahrhundert. Und dies mit einem Augenzwinkern, einem gehörigen Schuss Selbstironie, mal herrlich angestaubt, mal behutsam modernisiert.
Wer ist eigentlich dieser Coperlin? lautet eine berechtigte Frage. Zumindest hat er es fertiggebracht, dass um ihn, den Moderator dieses Abends herum, eine Show konzipiert worden ist – mit Stars in ihrem jeweiligen Metier. Der Handstandkünstler Dustin Nicolodi musste seine eigentliche Karriere früh aufgeben. Nun ist er als Coperlin unterwegs, ein, so die imaginäre Vita, ungekrönter Zauber- und Jonglagekönig aus Las Vegas. Glamour inklusive.
Seine Kunststückchen serviert er mit Humor, mit Kalauern („was ich alles für Geld machen muss“), mit entwaffnender, entblößender Ehrlichkeit, wenn seine Tricks nicht funktionieren – was einige aber doch tun. Und das ist so unberechenbar, dass er doch irgendwie der Star des Abends ist – trotz der vielen anderen Stars.
Einer von ihnen ist Marcel Peneux. Der Stepptänzer ist der einzige Künstler, dessen Alter verschwiegen wird (53 Jahre sind doch kein Alter...). Nur soviel: Er hat in seiner Jugend schon mit Sammy Davis jr. gesteppt, war mehrfacher Weltmeister und entführt in seinem weißen Anzug mit unmodischem körperfernen Schnitt ins vergangene Jahrhundert. Charmant und mit Leichtigkeit lässt er seine Füße fliegen, als schüttele er das nur so aus dem Ärmel (Verzeihung: Hosenbein). Die kleine Showtreppe, die er hoch- und runter tanzt, nennt er seine „Freundin“. Sie ist es auch nicht, die ihn beinahe einmal stürzen lässt, es ist der Bühnenboden. Aufatmen beim Premierenpublikum, dass alles gut gegangen ist.
Fast alles gut geht auch bei David Burlet. Das Tellerdrehen ist eine klassische Form der Jonglage, doch Burlet zieht diese Kunst durch den Kakao, lässt mal einen Teller auf den Boden knallen oder fängt einen anderen mit einer Art Hechtsprung auf. Auf der Bühne geht es bei ihm gewollt chaotisch zu, untermalt von treibender Musik.
Zusammen mit der Musik präsentiert Matthew Richardson eine atemberaubende Nummer. Der sogenannte Cry-Ring ist eine Variation des Rhönrads, Richardson bringt darin und daneben Figuren auf die Bühne, die zu passender Beleuchtung seinen Körper samt Ring wie eine Skulptur erscheinen lassen. Zauberhaft. Für diese Nummer erhielt er beim Pariser Zirkusfestival 2015 einen Spezialpreis – völlig verdient.
Die „große Coperlin-Show“ läuft bis zum 6. November,Am Weser-Terminal 4, immer mittwochs bis sonntags. Karten kosten 19 bis 29 Euro (inklusive Zwei-Gang-Menü 39 oder 44 Euro, je nach Tag). Kinder, Schüler und Studenten zahlen 15 Euro.
