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Zirkus „Manege frei“ für jugendliche Akrobaten

Helen Hoffmann

Bremen - Flink klettert sie auf seine Schultern, stellt sich hin und jongliert mit drei Keulen. Kurze Zeit später liegt er mit dem Rücken auf den Boden und hilft ihr in den Schulterstand. Ihre Füße zeigen zur Decke, ihr angespannter Körper wird nur noch von seinen Händen gehalten.

Meike Schnapper und Alex Teichmann sind in der Bremer Circusschule „Jokes“. Gemeinsam mit zehn anderen Jugendlichen nehmen sie an diesem Abend an einem freien Training teil. „Akrobatik ist mein Spezialgebiet“, erzählt der große, muskulöse 19-Jährige mit leuchtenden Augen. „Ich finde es toll, mit dem Körper zu arbeiten, jemanden hochzuheben und von anderen hochgehoben zu werden.“

Zirkusverrückte

Die 15 Jahre alte Meike schwärmt von der Gemeinschaft: „Ich habe hier viele richtig gute Freunde gefunden. Die Leute sind sehr offen, man kommt schnell ins Gespräch.“ „Eine Schule für Circusverrückte“, so beschreibt sich der Verein „Jokes“. Bis zu 500 Kinder ab vier Jahren, Jugendliche und junge Erwachsene kommen jede Woche zum Training, wie Geschäftsführer Dietmar Hatesuer erzählt. In Kursen lernen sie, auf einem Einrad zu fahren, zu jonglieren oder auf einem Seil zu tanzen. „Da so viele verschiedene Disziplinen vertreten sind, erreicht man fast alle Kinder und Jugendlichen“, erzählt der 52 Jahre alte Zirkuspädagoge.

Mehr als die Hälfte der Kurse bietet „Jokes“ an Schulen etwa im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften an. Auch mit Projektwochen versuchen die derzeit 17 Mitarbeiter, darunter Artisten und Erlebnispädagogen, Kinder und Jugendliche an die Zirkuswelt heranzuführen.

Gemeinsame Auftritte spielen bei allen Angeboten eine wichtige Rolle. „Die Jugendlichen wissen: Zirkus ist etwas, das man auf der Bühne zeigt. Sie wollen das, was sie gelernt haben, auch zeigen“, sagt Hatesuer.

Lektionen fürs Leben

Beim Training geht es ihm zufolge aber nicht nur um Dinge wie Körperbeherrschung. „Es geht um viele Grundfertigkeiten, die man im Leben braucht.“ So lernten die Jugendlichen etwa, nicht gleich beim ersten Scheitern aufzugeben, gemeinsam etwas zu erarbeiten, Rücksicht zu nehmen und die eigene Wahrnehmung zu schärfen.

Einen Schwerpunkt sieht der Volkswirt in der Arbeit mit jungen Menschen, die aus schwierigen Verhältnissen kommen. Um etwa Kinder mit Migrationshintergrund zu erreichen, organisiert „Jokes“ Angebote in sogenannten benachteiligten Stadtteilen. „Wenn Kinder gemeinsam trainieren, spielt die Herkunft keine Rolle mehr.“ Selbst unterschiedliche Sprachen rückten schnell in den Hintergrund. „Zirkus hat seine eigene Sprache.“

Finanziert wird die Arbeit mit Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Einnahmen durch Auftritte. Projekte werden zudem mit öffentlichen Geldern gefördert. Damit die Zirkusbegeisterten künftig nicht mehr überwiegend in Turnhallen üben müssen, will „Jokes“ im kommenden Jahr einen festen Zirkusplatz mit Zelt und Wagen aufbauen. „Wir brauchen einen Ort, mit dem man sich identifizieren kann“, sagt Hatesuer. Eine erste finanzielle Unterstützung hat es bereits gegeben. Die Bürgerstiftung Bremen bezuschusst den Zeltboden mit 4 000 Euro.

Alex kann bei der Eröffnung im Frühjahr nicht dabei sein. Im November fliegt er für sechs Monate nach Australien, danach will er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten beginnen.

Auch Meike muss erstmal eine Weile ohne Zirkus auskommen. Im Rahmen eines Schüleraustauschs geht die Jugendliche für drei Monate nach Frankreich. Auf Zirkustraining wird sie aber nicht verzichten: „Ich habe mir eine Austauschschülerin ausgesucht, die auch Jonglage macht. Ich kann dort zwar nur einmal pro Woche trainieren, aber immerhin.“

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