Bremen - Hörbuch, E-Book und Computer waren noch nicht erfunden, als auf Initiative des Senators und späteren Bürgermeisters Victor Marcus (1849 bis 1911) am 15. Mai 1902 die Lesehalle am Ansgariikirchhof öffnete – Vorläuferin der Stadtbibliothek.
Und eben die nimmt dieses Datum in dieser Woche zum Anlass für Feierlichkeiten unter dem Motto „111 Jahre Stadtbibliothek Bremen“. Zum Auftakt gab es am Montag eine riesige Buch-Torte von Pâtissier Peter Hauptmeier. Die Autoren Jürgen Alberts und Dirk Böhling lasen Texte, für Musik sorgten Boyke Dettmers (Keyboard) und Volker Bruder (Saxophon).
Angeschnitten wurde das Torten-Kunstwerk im Foyer der Zentralbibliothek im früheren Polizeihaus – das 1908 fertiggestellte Gebäude übrigens ist jünger als die Stadtbibliothek. Deren Direktorin Barbara Lison hatte unter anderem einen Enkel von Victor Marcus eingeladen – und auch ihre Amtsvorgängerin Martha Höhl, die von 1976 bis 1992 Chefin der Stadtbibliothek gewesen war.
„Ich hinterlasse Ihnen ein schweres Erbe.“ Das, so berichtete Lison, habe Höhl ihr 1992 mit auf den Weg gegeben. Lison nahm das Erbe an. In ihre Zeit fällt der Umzug ins frühere Polizeihaus ebenso wie der Siegeszug neuer Medien – Hörbuch, E-Book und Co. gehören selbstverständlich zum Angebot der Stadtbibliothek, die schon lange nicht mehr „nur“ eine Lesehalle ist. Was mit 7 000 Bänden begann, ist heute eine Kultureinrichtung mit 500 000 gedruckten und elektronischen Medien. Zugleich gibt es deutlich weniger Bibliotheksstandorte als in früheren Jahrzehnten. In den 70er-Jaren gehörten zu vielen Schulen noch Filialen der Stadtbibliothek. Heute kommt ein Bus. Feste Standorte gibt es noch acht. Sie haben 1,2 Millionen Besucher pro Jahr, sagte Direktorin Lison.
