Bremen -  Still liegen sie dort, als schwiegen sie. Doch jedes einzelne Grab erzählt eine Geschichte vom Krieg, hinter jedem Stein stecken Schicksale. Schicksale, für die sich auch 31 Jugendliche des internationalen Workcamps des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge interessieren. Am Mittwoch war großes Reinemachen auf dem Osterholzer Friedhof in Bremen angesagt, für einige Teilnehmer „einfach eine Frage der Ehre“.

Es braucht oft nicht viel, um zu helfen. In diesem Fall waren es Fugenkratzer, etwas Wasser, Handschuhe, Bürsten – und Hingabe. Diese zeigten 31 Jugendliche von 16 und bis 23 Jahren aus elf Ländern auf einem Gräberfeld für osteuropäische Gefallene des Zweiten Weltkriegs. Frühmorgens machten sie sich auf den Weg, um mehr als 90 Gräber von Unkraut, Moos und Erde zu befreien. Nach mehr als vier Stunden Arbeit auf Bremens größtem Friedhof bei nasskaltem Wetter war das Tagesziel erreicht.

Für Stefan aus Rumänien beispielsweise ist es die erste Teilnahme am Workcamp gewesen, der 23-Jährige wurde von seiner Deutschlehrerin in Rumänien auf das Camp aufmerksam gemacht. Für ihn sei es „eine Freude“, trotz der Ferien Kriegsgräber und Denkmäler sauberzumachen, zumal das komplette zweiwöchige Programm sehr abwechslungsreich und sehr gut organisiert sei. Neben der ehrenamtlichen Arbeit auf dem Friedhof könne er so auch seine Deutschkenntnisse verbessern und neue Menschen und Kulturen kennenlernen.

Ähnlich selbstlos gingen Maria (18) aus Spanien und Zoya (16) aus Bulgarien gestern an die Arbeit. Für Zoya sei es „einfach eine Frage der Ehre“, die Gräber zu pflegen. „Wir wollen helfen, und wenn wir das hier können, tun wir es einfach“, meint Maria und fügt an: „Es macht auch super viel Spaß. Gerade mit den verschiedenen Menschen und ihren Ansichten in Kontakt zu treten, ist sehr interessant.“

Das Jahresthema des Volksbundes, das auch den thematischen Schwerpunkt des Jugendcamps bildet, steht in diesem Jahr unter dem Motto „Flucht und Vertreibung“.

Europaweit werden alle zwei Jahre rund 60 Camps organisiert, bis zu 1800 Jugendliche kümmern sich dann um die Gräber und Kriegsdenkmäler. „Allein an der Teilnehmerzahl sieht man, dass viele Jugendliche sich für dieses Thema interessieren“, sagt Teamleiterin Carina Claus, die seit sieben Jahren für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge tätig ist.