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NWZonline.de Region Bremen

Molly trifft zum Jubiläum richtigen Ton

28.04.2017

Bremen Den richtigen Ton zu treffen, darauf kam es an. Den richtigen Grünton nämlich. Wie hat er ausgesehen damals, anno 1900, als Bremens älteste erhaltene Straßenbahn ihre Runden im Liniendienst drehte? Nun, die Freunde der Bremer Straßenbahn haben es herausgefunden. Am Donnerstag präsentierte der Verein die frisch restaurierte historische Bahn auf der Wendeschleife vor dem Bürgerpark.

Anlass: 125 Jahre elektrischer Linienbetrieb in Bremen. Wagen Nummer 49 glänzt im Sonnenlicht und ist historisch beschildert – ganz so, als würde er noch immer zwischen Horn und der Börse (am Markt) pendeln. Lackiert ist die Bahn in einem olivgrünen Farbton.

Ein Ton, der den geradezu detektivisch genauen Recherchen von Gerd Borcherding zu verdanken ist. „In einem Parzellengebiet in Walle habe ich einen zwölf Jahre älteren Wagen gefunden, eine Pferdebahn“, berichtet der zweite Vorsitzende der Straßenbahnfreunde. Und bei der Pferdebahn von 1888 fanden sich auch Plattformbleche mit Farbfragmenten, die Schicht für Schicht untersucht wurden. Bis das Grün zum Vorschein kam – und siehe da: die bisherige Lackierung des Wagens Nummer 49 war etwas zu hell ausgefallen. Die Farbe war 1962 bei der ersten Restaurierung nach Erinnerungen von Zeitzeugen angemischt worden.

Wieso eigentlich „Molly“? Das ist nicht bekannt, sagt Borcherding. Der Kosename aber scheint nicht aus den Originalzeiten der alten Straßenbahn zu stammen, denn: „Der Begriff taucht erst in den 70er Jahren auf.“

Wagen Nummer 49 stammt aus einer Serie von 147 Fahrzeugen, die die Bremer Straßenbahn AG in der Zeit von 1900 bis 1907 in eigener Regie produziert hat. Gebaut wurden sie in der von der Großen Bremer Pferdebahn übernommenen Werkstatt Walle, später auch in der Hansastraße. Eine Heizung gab es bis zum Anfang der 20er Jahre nicht. 1921 wurden die bis dahin offenen Plattformen durch Schiebetüren und Fenster verschlossen.

Ein Fortschritt war auch die Einführung des elektrischen Linienbetriebs am 1. Mai 1892 – auf der Strecke von der Börse über Hauptbahnhof und Schwachhausen bis nach Horn (Berckstraße).

Zum Jubiläum bieten die Straßenbahnfreunde einen Tag mit historischen Bahnverkehr an – am Sonntag, 30. April, und zu den VBN-Tarifen der Gegenwart. Museumswagen der Baujahre 1900 (genau: „Molly“) bis 1967 fahren dann auf der historischen Strecke nach Horn. Allerdings nicht von der Börse aus, sondern ab Domsheide. Die Fahrzeuge sind zwischen 12 Uhr und 17 Uhr im Einsatz und bedienen unterwegs alle Haltestellen.

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