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NWZonline.de Region Bremen

Regisseur stiftet Verwirrung

03.04.2017

Bremen „In jedem Menschen steckt ein Gott. Und ein Mörder“: Es ist einer dieser Sätze, die den Inhalt des Theaterstücks „Zwei Fremde im Zug“ treffend beschreibt. Mörderisch, philosophisch, mit einem Hauch Platon und einem Hang zur Tiefenpsychologie. Was die Zuschauer bei der Premiere im Bremer Kriminaltheater an der Theodorstraße sahen, war im Ansatz innovativ, in Teilen aber auch ermüdend.

Man ahnt, was auf einen zukommt. Unterschwellig, leicht bedrohlich entwickelt sich dieses erste Gespräch zwischen dem renommierten Architekten Guy Daniel Haines (Denis Fischer) und Lebemann Charles Anthony Bruno (Christian Aumer). Beide sitzen sich gegenüber, eine Zugreise hat sie zusammengeführt. Doch schnell wird klar: Hier steckt mehr dahinter, etwas Mysteriöses, Mörderisches.

Charles Bruno „bewundert Menschen, die was schaffen“. Guy Haines hat dieses Stadium seit langem erreicht. Und doch, ganz tief in ihm drin, schlummert dieser Hass, diese Wut. Ein Mann mit Reputation, wohlhabend, bedacht, höflich. Alles wird bleiben. Ob Guy am Ende tatsächlich auch noch bedacht handelt, muss der Besucher für sich entscheiden.

Auf der anderen Seite: Charles Bruno. Dieser aufdringliche Mann, der gerne trinkt und irgendwie verbittert wirkt. Und doch umgibt diese Person eine gewisse Aura. Ein Mensch, der sich nach Aufmerksamkeit sehnt und seit Jahren in seinem eigenen kleinen Gefängnis lebt – ob er nun mordet oder nicht.

Klar ist: „Zwei Fremde im Zug“ wurde als psychologischer Thriller ins Leben gerufen, beleuchtet die menschliche Seele aus – zugegeben – interessanten Gesichtspunkten. Doch Regisseur Ralf Knapp hat gerade mit dem außergewöhnlichen Bühnenbild, das aus sechs Rechtecken besteht, die in zwei Ebenen übereinander liegen, mehr Verwirrung und Eintönigkeit gestiftet, als das Stück um einen Aspekt zu bereichern. Wenn Menschen durch Wände hinweg miteinander sprechen, kaum Kostümwechsel stattfinden, entscheidende Szenen nicht gezeigt, sondern aus dem Off beschrieben werden und nur das Programmheft wirklich Aufschluss über den Hintergrund des Bühnenbildes gibt, ist der Effekt eher ermüdend, als dass er einen Mehrwert hat.

Letztlich ist es ein Stück, das seine Liebhaber wohl finden wird. Aber keines, das auf ganzer Linie überzeugt.

„Zwei Fremde im Zug“ steht zunächst bis Anfang Mai auf dem Spielplan.


Weitere Termine unter:     www.bremer-kriminal-theater.de 
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