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NWZonline.de Region Bremen

Schöner Tod in den Alpen

21.10.2014

Bremen Auch wenn es nicht ganz stimmt, ein klein wenig muss man Franziska Mencz recht geben – und schmunzeln. „Das Stück kennt keine Sau“, sagt die Schauspielerin, die sich soeben zwei Stunden lang als „Frau“ souverän durch Karl Schönherrs „Der Weibsteufel“ gespielt hat.

Das alpine Drama einer „Amour fou“ hatte vor 100 Jahren seine Uraufführung. Karge Sätze, eine noch kargere Szenerie, zwei Männer und eine Frau. Und doch ist alles gesagt. Themen wie Freiheit, Eifersucht, Liebe und Macht verjähren nicht. So konserviert das Drama hoch oben in den Bergen an der Grenze zu Tirol eine erstaunliche Frische. Und steht im Alpenraum immer mal wieder auf einem Spielplan.

Dass sich aus einem einfachen Plot Mann (Martin Leßmann), Frau (Franziska Mencz) und Grenzjäger (Christian Aumer) eine subtile Geschichte mit feinem Spannungsbogen entspinnen kann, zeigt das Stück in der Inszenierung von Ralf Knapp. Den Kern bildet der Befreiungskampf der Frau, die zunächst zum Objekt der Begierde gemacht wird und dann selber alle Zügel in der Hand hält. „Mich fangt’s nimmer mehr ein“, prophezeit sie mit blitzenden Augen in der allzu kargen Stube (eine Sitzbank, sonst nichts). Mit dieser Frau muss man rechnen. Verhuscht und sorgsam zunächst in Janker und Puschen, später dann mit viel Dekolleté und schließlich in Corsage, Rock und roten Schuhen. Es ist eine Befreiung par excellence. Erst soll sie dem jungen Gebirgsjäger (Aumer: etwas zu polternd) schöne Augen machen, damit der von den umtriebigen Schmugglereien des Ehepaares an der Grenze keinen Wind bekommt.

Als der jedoch mit Haut und Haar der Frau erlegen ist, nachts um die Hütte schleicht und sie sich verliebt, ist das ihrem gebrechlichen Mann (Leßmann schön kauzig) aber auch nicht recht. Doch da liegen längst Spannung und Sexappeal in der Luft. Die morbide Dreiecksgeschichte nimmt ihren unweigerlichen Lauf. Nicht selten ist das urkomisch, noch dazu im alpinen Dialekt. Doch der bittere Ernst der Lage, der wird schnell klar. Die beiden Männer handeln noch um die Schöne, haben die Rechnung aber längst ohne sie gemacht. Sie will frei sein. Wenn’s sein muss, führt der Weg auch über Leichen...

Auf dem kleinen schrägen Bretterquadrat (Bühne: Knapp und Ensemble) im Kriminaltheater spielen sich in „Der Weibsteufel“ die großen Dramen des Lebens auf wenigen Metern ab. Die Schmugglerware unterm Verschlag, der Kampf um Emanzipation, Liebe und Freiheit oben drauf. Mit großer Präsenz, morbider Situationskomik und packendem Spiel führt das dreiköpfige Ensemble auf den unweigerlichen Höhepunkt zu. Schönherrs Alpendrama in Norddeutschland – das geht auf. Das eingespielte Trio liefert einen packenden Tod in den Bergen. Begeisterter Applaus war am Ende die Belohnung.

Die nächsten Vorstellungen von „Der Weibsteufel“ stehen am 23., 24., 25., 30. und 31. Oktober jeweils um 20 Uhr im Bremer Kriminaltheater an der Friesenstraße 16 auf dem Spielplan.

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