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Unterbringung: Sorge um Asylbewerber in Vegesack

11.07.2013

Bremen „Was kommt jetzt auf uns zu?“ Diese Frage stellt sich Mageda Abou-Khalil, Leiterin des Flüchtlingsheims an der Johann-Lange-Straße in Vegesack. Seit 20 Jahren leitet sie die 1990 eröffnete Einrichtung. Nie, sagt sie, habe es in dieser Zeit Probleme mit Nachbarn gegeben, außer ab und an Beschwerden. Doch jetzt warnte sie die 61 Bewohner des Heims, sie sollten auf Provokationen achten.

Der Grund: Abou-Khalil war vor einer Woche Augen- und Ohrenzeugin der Sitzung des Beirats Vegesack. Hier ging es sehr emotional zu, es gab laute Diskussionen über geplante Wohncontainer für 120 Flüchtlinge auf einem ehemaligen Sportplatz in Vegesack. Der Beirat sprach sich schließlich dafür aus, dass andere Stadtorte geprüft werden sollen.

Abou-Khalil war nicht alleine zu der Sitzung gekommen, sondern hatte Asylbewerber aus einem Flüchtlingsheim im Viertel mitgenommen: einen syrischen Arzt, einen afghanischen Politik-Professor und seine Frau, eine Journalistin aus dem Iran, einen Krankenpfleger aus dem Irak und eine Frau aus Syrien, die englische Literatur studiert hat. Abou-Khalil hatte gehofft, dass die fünf zu Wort kämen, dem Begriff „Flüchtling“ ein Gesicht geben könnten – auch, um Ängste zu nehmen. „Aber das wollte niemand dort hören“, sagt Abou-Khalil, der noch anzumerken ist, wie sehr sie das Verhalten der Leute schockiert hat, „da war nur Hass.“

Ähnlich die Entwicklung in Schwachhausen. Dort protestierten Anwohner im Dezember auf einer Beiratssitzung gegen das Vorhaben, in einer ehemaligen Schule an der Thomas-Mann-Straße eine Notunterkunft einzurichten. Zur Eröffnung im Januar hätten Nachbarn sogar einen privaten Wachdienst engagiert, erzählt Heimleiterin Gisela Böhme. „Den haben die aber schnell wieder abbestellt.“

Einer dieser Nachbarn habe ihr kürzlich gesagt, dass keine seiner Befürchtungen eingetreten wäre. Er spendete sogar einen Sandkasten und eine Schaukel, damit die Kinder nicht mehr direkt vor seiner Terrasse spielen. Für Böhme geht das in Ordnung. „30 Kinder sind einfach laut.“ Anders als bei den anderen Flüchtlingsheimen handelt es sich bei der Thomas-Mann-Straße nur um eine Notlösung, deshalb sollen die Kinder, die von Ehrenamtlichen betreut werden, nicht zur Schule gehen. Gemeinsam drückten Heimleitung und Beirat gegenüber den Behörden durch, dass für die Kinder eine Klasse in der nahen Grundschule eingerichtet wird.

Warum die Vegesacker sich nicht auf die Asylbewerber einlassen können, verstehen beide Heimleiterinnen nicht. „In manchen Stadtteilen haben die Leute selbst genug mit Überleben zu tun, da sind sie gegenüber Flüchtlingen im besten Fall gleichgültig“, hat Böhme erlebt. Doch von Gleichgültigkeit kann in Vegesack keine Rede sein.

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