Bremen - Er ist ein Betonkoloss. Ein grausames Monument. Ein Mahnmal der Zeitgeschichte. Der U-Boot-Bunker „Valentin“ in Farge im Bremer Norden, bei dessen Bau 1943 bis 1945 mindestens 1 700 Zwangsarbeiter zu Tode kamen, wirft immer noch Fragen auf. Eine Radio-Bremen-Dokumentation schenkt dem Monstrum neue Aufmerksamkeit und gewährt überraschende Einblicke. Zu sehen ist der 45-minütige Beitrag „Geheimnisvolle Orte: Hitlers U-Boot-Bunker“ an diesem Montag um 23.40 Uhr in der ARD.
Die Autorin Susanne Brahms hat sich der sperrigen Materie auf mehreren Wegen genähert. Der Film taucht in die Geschichte des Bauwerks ein, zeigt Archivmaterial aus der Bauzeit, simuliert die geplante U-Boot-Produktion und trifft die letzten noch lebenden Zeitzeugen – französische Zwangsarbeiter und einen Deutschen, der als 17-jähriger Lehrling auf die U-Boot-Baustelle geschickt wurde. Zudem begleitet das Radio-Bremen-Team den Historiker Marcus Meyer und Jugendliche bei der Umgestaltung des Bunkers vom Materialdepot der Bundeswehr zum nationalen Gedenkort. „Das bringt etwas Leichtigkeit in die schwere Thematik“, sagt Brahms.
„Valentin“ war eines der größten Projekte der Kriegsmarine. Hitlers Rüstungsmanager planten eine Fließbandproduktion von U-Booten. Für den Bau des Bunkers wurden bis zu 12 000 Zwangsarbeiter eingesetzt , doch er wurde nie fertig. Eine britische Zehn-Tonnen-Bombe zerschlug im März 1945 das Dach des Bunkers. Kurz darauf wurden die Arbeiten eingestellt, die Zwangsarbeiter auf kilometerlange Todesmärsche geschickt.
Nach dem Krieg sollte der Bunker verschwinden. Schließlich übernahm die Bundeswehr den unzerstörten Teil als Materialdepot. Doch das Bauwerk sollte aus dem öffentlichen Gedächtnis getilgt werden – es verschwand von allen Landkarten und wurde aus Luftfotos wegretuschiert. Erst Mitte der 80er Jahre wurde „Valentin“ wieder ins Bewusstsein gerückt, als ehemalige Zwangsarbeiter eine „Pilgerreise“ zum Ort des Schreckens machten, um ihrer toten Kameraden zu gedenken.
2010 hat die Bundeswehr den Bunker verlassen. Eine Gedenkstätte wurde eröffnet. Bund und Land investieren in den nächsten fünf Jahren jeweils 1,9 Millionen Euro. Zu den bewegendsten Eindrücken der Dokumentation zählen die Erinnerungen eines ehemaligen französischen Zwangsarbeiters. Er erzählt davon, wie er und seine Kameraden vor lauter Hunger und Verzweiflung den Hund eines SS-Wachmanns töteten und verspeisten, er erwischt und bestraft wurde. Er wurde wie ein Tier angekettet.
