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NWZonline.de Region Bremen

„Ultra“-Prozess wird allmählich zur Zerreißprobe

20.02.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-02-20T05:25:18Z

Justiz:
„Ultra“-Prozess wird allmählich zur Zerreißprobe

Bremen Widersprüche, Erinnerungslücken oder einfach wegbleiben: Was sich im Prozess gegen drei Werder-„Ultras“ unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung seit Wochen vor dem Landgericht Bremen abspielt, wird langsam zur Zerreißprobe für alle Beteiligten. Zeugen erscheinen nicht, können plötzlich nichts mehr zur Sache beitragen oder setzen sich ins Ausland ab.

„Da kann ich nichts zu sagen.“ Es ist genau diese Art von Zeugenaussage, die das Verfahren gegen Valentin S. (22), Georg S. (22) und Daniel M. (23) zur Zeit zu einem Prozess werden lässt, der bei vielen nur noch Kopfschütteln hervorruft.

Opfer nach Polen gereist

Die Zeugen, darunter auch Opfer von Prügelattacken, sind unter anderem nicht auffindbar – und werden es für das Gericht auch vorerst bleiben. So wie im Fall eines Mannes, der sowohl an einer Bushaltstelle geschlagen worden sein soll als auch im Viertel als wichtiger Zeuge für die Staatsanwaltschaft infrage kommt. Er hat sich nach Polen abgesetzt, ist zu Gesprächen nicht bereit. Der Kammer bleibt nichts anderes übrig, als nur seine polizeiliche Vernehmung zu verlesen.

Gestern dann der vorläufige Höhepunkt in einer Kette von fragwürdigen Zeugen. Zwei Männer betreten den Saal 218, sie waren schon vergangene Woche vorgeladen. Einer sagt, er habe seine Freundin zum Zahnarzt begleiten müssen und hätte deshalb nicht erscheinen können. 100 Euro Ordnungsgeld verhängt das Gericht gegen den Mann, der im Juli 2014 eine Schlägerei beobachtet hatte und sogar selbst attackiert worden sein soll.

Zwei Flaschen Wodka

Zwei Flaschen Wodka habe er getrunken, erinnern kann er sich an kaum etwas. Der andere, ebenfalls ein Freund des Opfers, nimmt entscheidende Aussagen, die er bei der Polizei getätigt hatte, zurück.

Der Vorsitzende Richter Manfred Kelle nimmt es mit Galgenhumor. „Das steht heute ja zeugentechnisch unter keinem guten Stern“, merkt er an. Anwalt Horst Wesemann resümiert, seinem Mandanten Valentin seien diese drei Taten nicht nachzuweisen.

Bei Daniel M., der in zwei Fällen angeklagt ist, könnte es nächste Woche bereits ein Urteil geben, sagt Richter Kelle. Nach dem Verlauf des Prozesses deutet vieles auf einen Freispruch hin.