• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Bremen

Unablässige Kontrolle und Gewalt

22.01.2015

Bremen Der Bremer Umgang mit sogenannten Asozialen in der NS-Zeit wurde bislang vergleichsweise wenig erforscht. Die frühere SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Elke Steinhöfel lenkt nun den Fokus auf diese Opfergruppe – mit ihrer Dissertation zum Thema, die das Staatsarchiv jetzt als Buch veröffentlicht hat.

Steinhöfel widmet sich dem Thema am Beispiel der „Wohnungsfürsorgeanstalt“ Hashude in Woltmershausen. Wer die Siedlung am Warturmer Platz heute sieht, blickt auf eine Idylle mit gepflegten Privathäusern und viel Grün. Doch die Ursprünge des Quartiers sind alles anderes als idyllisch. Hashude, eröffnet im Herbst 1936, war eine NS-„Erziehungswohnanlage“.

84 Häuser, 44 bis 54 Quadratmeter groß. Die Bewohner von der Wohlfahrtsbehörde zwangseingewiesen. Steinhöfel: „Den Bewohnern war es verboten, miteinander zu sprechen, den Rasen zu betreten oder in ihren winzigen Hinterhöfen Tiere zu halten.“

Zwang und Internierung, unablässige Kontrolle und physische Gewalt – Lagerleiter Walter Langer hatte eine Bewacherkabine. Die Häuser waren so angeordnet, dass er von der Kabine aus jeden Eingang und jede Bewegung auf beiden Plätzen der Anlage sehen konnte. Etwa 500 Menschen mussten in Hashude leben. Wer dem NS-Staat als „asozial“ und „arbeitsscheu“ galt, wurde hier eingewiesen – mit Familie.

1940 wurde die Einrichtung geschlossen und in eine Siedlung umgewandelt – auf Anordnung des Reichsfinanzministeriums. Bremen habe, hieß es, mit der Anlage – anders als behauptet – keinesfalls erreicht, dass die Zahl der „Asozialen“ zurückgegangen sei. Die Häuser sollten besser „würdigen Volksgenossen“ zur Verfügung stehen. Die wollten da allerdings nicht hin, Hashude hatte einen schlechten Ruf. Was über das Ende des NS-Staats hinweg blieb, war das Stigma des „Asozialen“. Und eine oftmals übersehene Opfergruppe.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.