Bremen - Sechs von zehn deutschen Grundschulen würden Kinder ohne offizielle Aufenthaltspapiere nicht aufnehmen. Das geht aus einer Studie der Universität Bremen hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Dabei gelte der Anspruch der Kinder auf Schulbesuch unabhängig von ihrer aufenthaltsrechtlichen Situation, betonte Yasemin Karakasoglu, eine Autorin der Studie und Professorin für Erziehungswissenschaft.
Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen rechnet die Wissenschaftlerin mit einem Anstieg der Fälle. Die Zahl dieser Kinder wird in der wissenschaftlichen Untersuchung auf bundesweit mehrere Tausend bis einige Zehntausend geschätzt.
Bei 100 nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Grundschulen in 22 Groß- und Landeshauptstädten wurde für die Bremer Studie zwischen Mai und Juli dieses Jahres telefonisch nach Dokumenten gefragt, die Eltern im Fall eines Umzugs für die Schulanmeldung benötigen.
Nur in sechs von 100 Fällen ist laut Studie bei der Frage nach dem Verfahren bereits darauf hingewiesen worden, dass die Schulaufnahme auch ohne Meldebestätigung möglich sei. In fast drei Vierteln der Schulsekretariate (70 von 100) mussten „auch Geburtsurkunden, Sorgerechtserklärungen und Ausweise vorgelegt werden – Dokumente, die nicht alle papierlosen Eltern beibringen können“.
Laut der Studie bedürfe es „eines expliziten Zusatzes in Landesschulgesetzen, dass alle Kinder unabhängig vom Aufenthaltsstatus einen Anspruch auf Einschulung haben“. Wie die Studie zeigt, sind Schulleitungen oft unsicher, wie die rechtliche Grundlage in solchen Fällen ist. Oftmals verweisen sie an Höherrangige in der Bildungsadministration. „Bei einigen Reaktionen klangen Vorbehalte gegenüber Zuwanderung durch“, sagte Dita Vogel, Mitautorin der Studie.
