VON BENNO SCHIRRMEISTER -
Das Gericht will klären, welche finanziellen Zusagen gemacht wurden. Der Senat hatte 7,5 Millionen Mark in Aussicht gestellt.
VON BENNO SCHIRRMEISTER BREMEN - Einem unangenehmen Termin sieht der ehemalige Bremer Landesvater Henning Scherf (SPD) entgegen. Wie von der Verteidigung gewünscht, benannte gestern das örtliche Amtsgericht ihn als Zeugen im Strafprozess um die Insolvenz des Expo-Projekts Beginenhof. „Dafür brauche ich keinen Antrag von Ihnen“, wandte der Vorsitzende Hans Ahlers sich an die Verteidiger. Offenbar hat das Gericht dringliche Fragen an den Zeugen.Interessant ist, welche Finanzierungszusagen der Bremer Senat einst gemacht hat. Die Beginenhof-Pläne hatten bundesweit für positive Schlagzeilen gesorgt. Die Mischanlage für Wohnen, Arbeiten und Freizeit war ausschließlich von Frauen konzipiert worden, und sie sollte ausschließlich Frauen als Mieterinnen, Existenzgründerinnen und Eigentümerinnen aufnehmen. Er galt zudem als modellhaft für städtebauliches Public-Private-Partnership. Der Senat stellte Zuwendungen in Höhe von 7,5 Millionen Mark in Aussicht.
Als im Herbst 2000 mit dem Bau begonnen wurde, floss aber kein Geld. Dass Bremen Millionen zuschießen werde, soll Scherf noch Mitte März 2001 einem der Chefs der Baufirma zugesichert haben. Zwei Genossinnen aus dem Vorstand müssen sich jetzt wegen Insolvenzverschleppung verantworten.
Augenzeugen zufolge reagiert indes Scherf seltsam aufs Thema: Während einer Lesung sei der Altbürgermeister auf den Beginenhof angesprochen worden. Daraufhin habe er die Hände vorm Gesicht zusammen geschlagen: „Sagen Sie nie wieder dieses Wort zu mir.“ Region, S.10
