Bremen - Sie bringen Asylbewerbern Deutsch bei, begleiten sie aufs Amt oder spielen Fußball mit den Kindern. Wenn es an Kleidung oder Möbeln fehlt, finden sich in kurzer Zeit zahlreiche Helfer, die Lastwagen mit Spenden beladen. Tausende Freiwillige kümmern sich um die Flüchtlinge in Deutschland.

Kekse und Obst stehen im Pfarrheim im Bremer Schnoor-Viertel auf den Tischen. An ihnen sitzen junge Araber und Bremer in jedem Alter. Wer kann bei der Suche nach einem Job helfen? Wer ein W-Lan einrichten? Bei „Meet a Local“ treffen jede Woche Einheimische und Flüchtlinge aufeinander, neben dem Helfen geht es dabei vor allem um persönliche Kontakte. „Das ist wie ein kleiner Mikrokosmos hier“, sagt Jan Dellwisch. Die Zahl seiner Facebook-Freunde ist in den vergangenen Monaten stetig gewachsen. „Man hat plötzlich ein kleines Netzwerk“, sagt der 28-Jährige.

Überall in Deutschland gründen sich gerade Facebook-Gruppen, über die sich jeder an der Flüchtlingshilfe beteiligen kann. „Die sozialen Netzwerke sind ein wichtiges Vehikel“, sagt der Migrationsforscher Serhat Karakayali von der Berliner Humboldt-Universität. Seit Beginn der Syrien-Krise 2011 sei die Zahl der Freiwilligen sprunghaft gestiegen.

Für eine im Frühjahr veröffentlichte Studie hat Karakayli zusammen mit einem Kollegen mehr als 460 Ehrenamtliche und 70 Organisation unter anderem zum Grund ihres Engagements befragt. Drei von vier der Befragten gaben an, dass sie etwas bewegen wollen, die Gesellschaft mitgestalten. Menschen kennenzulernen, etwas gemeinsam zu machen, das ist für manche sogar der Hauptgrund, sich für andere einzusetzen.

Ähnlich geht es Nina Christiansen. Die 33-Jährige lebt erst seit kurzem in Bremen und kannte bisher kaum jemanden. Statt einsam zu Hause zu sitzen, wollte sie was Sinnvolles machen. Seit einem Monat kommt sie regelmäßig zu „Meet a Local“ – und hat schon erste Kontakt geknüpft.

„Es findet sich schnell ein Gesprächsthema“, sagt die 33-Jährige. Einen jungen Ägypter unterstützt sie inzwischen beim Bewerbungsschreiben, mit einer anderen Freiwilligen hat sie sich angefreundet. Ob daraus ein Freundeskreis entsteht, wird sich zeigen.