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NWZonline.de Region Bremen

Kreuzfahrt: Von der Weser auf die Weltmeere

06.09.2014

Harriersand /Monaco Der 134 Meter lange, schnittige Schiffsrumpf gleitet elegant durchs Wasser. Über uns wölben sich 5200 Quadratmeter Segelfläche im Wind. Die „Royal Clipper“, das größte Passagier-Segelschiff der Welt, verlässt den Hafen von Civitavecchia. Unter dem Bugspriet-Mast leuchtet die porzellanweiße Galionsfigur im warmen Licht der Abendsonne. Wie bei jedem Auslaufen dröhnt auch diesmal aus den Lautsprechern Vangelis’ Hymne „Conquest of Paradise“.

Schutzpatronin

Für eine Woche sind wir im westlichen Mittelmeer von Rom nach Sizilien unterwegs. Das Bugsprietnetz ist bei Passagieren ein beliebter Platz, um Sonne und Meer zu genießen. Wer dort entspannt, ist nie allein. Stets hat er eine bezaubernde Begleitung an seiner Seite: eine weiße Schönheit mit wehendem Haar, goldener Halskette und Krone, die linke Hand an der Stirn in die Ferne schauend. In der Seefahrt gelten Galionsfiguren seit jeher als Schutzpatrone und Glücksbringer. Die der „Royal Clipper“ ist aus edlem Holz geschnitzt und die fast vier Meter große „Schwester“ der Reeder-Tochter Marie Krafft (35).

Das Künstlerehepaar Birgit und Claus Hartmann, das auf der Weserinsel Harriersand bei Brake (Kreis Wesermarsch) eine renommierte Werkstatt für Schiffsbildhauerei betreibt, hat sie vor 15 Jahren im Auftrag des schwedischen Eigners und Reeders Mikael Krafft hergestellt.

Birgit Hartmann hatte seinerzeit eine Gipsmaske von Marie Kraffts Gesicht abgenommen und ausgegossen. Fotos der damals 20-Jährigen haben ihr bei der weiteren Bearbeitung geholfen. Durch das Auftragen eines Speziallacks, hat die Skulptur ihren weißen, porzellanartigen Teint erhalten.

Seit die „Royal Clipper“ im Juli 2000 in Rotterdam zu Wasser gelassen wurde, um zur Jungfernfahrt nach Monaco zu starten, hat sie mehr als 430 000 Seemeilen zurückgelegt, das sind etwa 13 Äquatorumrundungen – beschützt von der Galionsfigur vom Harriersand.

„Du bist meine Schwester, und ich hoffe, du hast ein langes und glückliches Leben auf See!“ Mit diesen Worten hatte Marie Krafft am 17. Juli 2000 in Rotterdam die Galionsfigur enthüllt. „Die Figur kam auf einem Trailer an und wirkte riesig“, erinnert sich Marie Krafft, die heute in Monaco im Management der Reederei arbeitet. „Als sie an Bord war, konnte man die Größe der ,Royal Clipper‘ erst richtig ermessen.“

Eine bessere Schwester als Marie Krafft kann es für eine Galionsfigur kaum geben. Seit frühester Kindheit fühlt sich die Reeder-Tochter dem Meer und der Segelschifffahrt ebenso verbunden wie ihr Vater Mikael. Der Schwede ist zwischen den Schären von Stockholm aufgewachsen. Als kleiner Junge verbrachte er viel Zeit auf den umliegenden Werften, die wundervolle Yachten bauten.

Wenn eine Yacht vom Stapel lief, hatte er die Arbeiter oft sagen hören: „Sie wird segeln wie ein McKay Klipper.“ Erst viele Jahre später sollte er verstehen, dass die Männer von Donald McKay sprachen, der als Vater der Klipper-Schiffe gilt – die schnellsten und schönsten Segelschiffe des 19. Jahrhunderts. Mit der „Royal Clipper“ – einem luxuriösen Nachbau der legendären, bei Tecklenborg in Geestemünde gebauten „Preußen“ (1902–1910), die bis zu ihrem Untergang als Salpeter-Klipper fuhr – hat sich der Reeder einen Jugendtraum erfüllt.

Königin als Taufpatin

„Ich war einen Monat alt, als ich das erste Mal auf einem Segelschiff war“, erzählt Marie Krafft. „Aber eigentlich schon vor meiner Geburt, mit meinen Eltern“, erzählt Marie Krafft und lacht. „Ich habe schon als Kind segeln gelernt, und heute habe ich ein Mahagoni 37 Fuß Sparkman & Stephens Segelboot. Ich segle Regatten mit einer reinen Frauencrew. Für meinen Vater war es naheliegend, mich als Vorbild für die Galionsfigur zu nehmen. Wer sonst sollte das Schiff besser schützen und über die Weltmeere leiten?“

Im noblen Fürstentum Monaco wurde der Windjammer von Königin Silvia von Schweden am 28. Juli 2000 im Beisein von viel Prominenz und Presse getauft. Ein Porträt der Taufpatin hängt in der Bibliothek. Die Königin kommt mindestens einmal im Jahr an Bord, um „ihr Baby“ zu besuchen.

Die Künstler: Seit 20 Jahren unterhält das Künstlerehepaar Birgit und Claus Hartmann eine Schiffsbildhauer-Werkstatt auf der Weserinsel Harriersand. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Galionsfiguren für Eigner in aller Welt. Das Ehepaar hat unter anderem auch die Galionsfiguren für die Großsegler „Großherzogin Elisabeth“, „Lili Marleen“, „Gorch Fock“, „Sedov“ und „Fridtjof Nansen“ hergestellt.

Die Reederei: Star Clippers betreibt drei der größten Passagier-Segelschiffe der Welt mit Anlaufhäfen abseits der Routen der großen Kreuzfahrtschiffe. Zur Flotte zählen der Fünfmaster „Royal Clipper“ (Länge 134 Meter/114 Kabinen/227 Passagiere/106 Besatzungsmitglieder, 42 Segel und 5200 Quadratmeter Segelfläche) sowie die baugleichen Viermastbarkentinen „Star Flyer“ und „Star Clipper“ (Länge 115,5 Meter/84 Kabinen/170 Passagiere/74 Besatzungsmitglieder, 16 Segel und 3365 Quadratmeter Segelfläche). Die Star Clippers-Schiffe fahren auf Routen in der Karibik, in Costa Rica, in der Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer.


Mehr Infos unter   www.star-clippers.de www.hartmann-designs.de 
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