VON ELISABETH GNUSCHKE -

Der designierte Leiter sehe noch „Klärungsbedarf“. Die Senatorin Ingelore Rosenkötter war von der Entscheidung nicht angetan.

VON ELISABETH GNUSCHKE BREMEN - Die Holding Gesundheit Nord, Dach der vier kommunalen Bremer Kliniken, bleibt mit ihren rund 8000 Beschäftigten weiter ohne Geschäftsführer. Der designierte Holding-Chef Joachim Stumpp sagte der Gesundheitssenatorin kurz vor der Aufsichtsratssitzung, in der er vorgestellt werden sollte, überraschend ab.

Bis Mittwochabend war alles noch im Lot. Der ausgeguckte Bewerber Joachim Stumpp, Geschäftsführer des Zollernalb Klinikums in Balingen (Baden-Württemberg), passte mit seiner betriebswirtschaftlichen und medizinischen Erfahrung ins Profil und hatte zugesagt. Und dann gestern in aller Frühe der Rückzieher. Aus seiner Sicht bestehe noch „Klärungsbedarf“. Man munkelte, er habe erst am Abend die Masterplan-Unterlagen fürs Klinikum Mitte gesehen.

Gesundheitssenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) war nicht angetan. Für sie war klar, dass Bremen nach dieser Panne auf den Mann, der dem Personalausschuss (besetzt mit Rosenkötter, Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek, Finanzsenator Ulrich Nußbaum und Verdi-Vertreter Uwe Schmid) zunächst als geeignet erschienen war, verzichtet. Der Vorschlag kam vom Personalberater, der für die Holding einen neuen Chef suchen soll, nachdem man sich von Wolfgang Tissen getrennt hatte. Den Angaben nach gab es mehrere Bewerber und mehrere Gespräche, bis sich Stumpp als Favorit herauskristallisierte.

Gegen Tissen wird bekanntlich im Zusammenhang mit dem Bremer Klinik-Skandal wegen Vorteilsannahme ermittelt. Seine Rolle im Zusammenhang mit dem seit Januar inhaftierten Ex-Chef des Klinikums-Ost, Andreas Lindner, wird noch geklärt. Seit einem Jahr ist die Holding praktisch kopflos, wird kommissarisch von Walter Bremermann, Chef des Klinikums Mitte, geführt. Bremermann, fast 65 Jahre alt, geht übrigens „nach Verlängerung“ im Sommer in Ruhestand. Die Suche nach einem Nachfolger für ihn hat noch nicht einmal begonnen.

Die Suche nach der Holding-Spitze soll weitergehen, sagte Rosenkötter gestern, und zwar über den Personalberater. Der Personalausschuss selbst, so die Ressortsprecherin, mache keine Vorschläge. Die Grüne Doris Hoch meinte: „Der

Dilettantismus geht weiter.“ Sie verlangt, die Personalfrage ruhen zu lassen, bis die künftige Struktur der Holding geklärt ist.