Bremen - „Eine Obduktion geht viel schneller als in manchen Krimis. Da wird die Leiche so oft wieder rausgezogen, dass sie nicht mal kalt wird.“ Das sagte Kriminalhauptkommissar Norbert Horst beim Eröffnungsabend des Bremer Krimifestivals „Prime Time – Crime Time“.

Gemeinsam mit der früheren Gerichtsreporterin und heutigen Krimiautorin Rose Gerdts-Schiffler und dem Bremer Profiler Axel Petermann war Horst der Einladung von Festivalleiterin Perdita Krämer ins Bremer Kriminaltheater gefolgt. Sie sprachen über Verbrechen, Fakten und Fiktion. Wie viel Brutalität darf geschildert werden? Was macht einen guten Krimi aus?

Gerdts-Schiffler nutzt als Journalistin und Pressesprecherin der Innenbehörde die Gelegenheit, in ihren Krimis gesellschaftlichen Themen Raum zu geben. Fallanalytiker Petermann fesselt den Leser durch die sachliche Fülle und Abnormität der realen Details. Horst hat sich mit seinem „Kommissar Steiger“ einen unkonventionellen Protagonisten geschaffen.

Norbert Horst erzählte, dass bei der täglichen Arbeit Tragik und Komik oft sehr nah beieinanderlägen. Wenn ein Freier im Puff sterbe und die Todesnachricht der Ehefrau überbracht werde, dann müsse man unwillkürlich schmunzeln. Skurril sei es auch, wenn wie in seinem Buch beschrieben, eine Leiche für das Foto hergerichtet werden muss und es im Obduktionssaal plötzlich nach Apfelshampoo rieche.

Die drei Autoren berichten aus Lebensbereichen, die den meisten Menschen verschlossen bleiben, obwohl Verbrechen ständig und überall geschehen. „Täter sind meist keine Auftragskiller“, sagte Petermann. „Die Tötungen sind traurige Höhepunkte ihrer Biografien.“

Den Tätern zuzuhören und sich in sie hineinzuversetzen, sei eine Form von Respekt aber auch unabdingbar zur Aufklärung eines Verbrechens.

„Eine Tat zu verstehen, bedeutet nicht, Verständnis dafür zu haben“, ergänzte Horst. Auch Gerdts-Schiffler weiß aus den unzähligen Gerichtsverhandlungen, dass die Täter meist nicht dem erwarteten Monster entsprächen.

Ein vergnüglicher Kontrast zum Grauen bot sich im Turmzimmer des Theaters: Schauspieler Martin Leßmann löste in seiner Western-Krimi-Miniatur-Fiktion „Canyon City III – Unter Verdacht“ den Fall um acht verhaftete Freunde in der Westernstadt – und das Publikum half mit.