[/VORSPAUTOR] - Die „Seute Deern“ gilt als eines der Wahrzeichen von Bremerhaven. Sie gehört zur Museumsflotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums (DSM) im Alten Hafen der Seestadt. Die sieben Schiffe umfassende Flotte aber wird zunehmend zum schwimmenden Luxus. „Mit unserer Flotte haben wir in Europa ein Alleinstellungsmerkmal. Das leistet sich sonst keiner mehr“, erklärte DSM-Direktorin Dr. Ursula Warnke am Mittwoch. Womit der entscheidende Punkt auch schon angesprochen wäre – das Museum droht, etwas drastisch maritim formuliert, an den Kosten zu ertrinken. Die schwimmende Flotte ist teuer, denn: „Die sieben Originalschiffe im Alten Hafen sind ständige teure Pflegefälle.“

„Etwas Neues überlegen“

Aktuelles Beispiel: Wenn die Bark „Seute Deern“ im Jahr 2011 zur Reparatur im Dock fällig ist, rechnet das DSM-Direktorium allein mit Kosten von über einer Million Euro. Vor diesem Hintergrund sagt Ursula Warnke: „Wir müssen uns etwas Neues überlegen.“

„Wo das UV-Licht durch Reflektion im Wasser auf Holz trifft, haben wir die gravierendsten Schäden“, sagt Jörg Geier, Technikchef des Museums. Am 44 Meter langen Feuerschiff „Elbe 3“ (Baujahr: 1909) arbeiten die Techniker seit mehr als drei Jahren.

Andere Schiffe hingegen liegen auf dem Trockenen – wie der Schlepper „Stier“ von 1954, das Betonschiff „Paul Kossel“ von 1920 und die Hochsee-Rennyacht „Diva“ von 1985. Sie stehen an Land zwischen Museum und Hafen. So können die Besucher die Exponate in ihrer ganzen Größe sehen – und die Museumsleute haben nicht mit den teuren Folgen des Im-Wasser-Liegens zu kämpfen. Wie bei der „Seuten Deern“.

Sieben Schiffe im Hafen, drei an Land und weitere 41 Originalschiffe – vom Boot bis zum Rettungskreuzer, nicht zu vergessen die Hansekogge von 1380 – im Museum: Die Sammlung des DSM gilt als Europas größte Sammlung von Originalschiffen. Nun gibt es Überlegungen, Teile der schwimmenden Flotte trockenzulegen. Das würde die Pflegekosten senken, Blicke auf die Unterwasserbereiche der Schiffe freigeben.

Gleichwohl gilt diese Möglichkeit im DSM eher als Planspiel, denn die Museumsleute wissen, dass das Publikum eben auch gerne Schiffe im Wasser sieht. „Wir leisten mit unserer Flotte im Alten Hafen einen wichtigen touristischen Beitrag für Bremerhaven“, sagt Ursula Warnke. Sie weiß um den Wert ihrer Schiffe für das neue Tourismusgebiet „Havenwelten“.

Masterplan beschlossen

In diesem Zusammenhang hofft die Direktorin auf steigende Besucherzahlen. Wie berichtet, sollen am DSM bis zum Jahr 2015 insgesamt 100 Millionen Euro für Sanierungs- und Neubauarbeiten ausgegeben werden. Der Verwaltungsrat beschloss einen Masterplan. Das Museum entsteht praktisch neu und wird mit den „Havenwelten“ verknüpft. Ursula Warnke: „Das löst zwar nicht die finanziellen und personellen Probleme, aber rückt das Deutsche Schiffahrtsmuseum stärker in den Mittelpunkt“.