[/VORSPAUTOR][AUTOR] - BREMEN - Was für ein Empfang! Strahlender Sonnenschein, mehrere Fernsehteams, viele Fotografen. So wurden Jubilar und Wotan wohl noch nie begrüßt. Der Anlass allerdings war traurig: Gestern hatten die Brauereipferde von Beck & Co. ihre letzte Liefertour.

Weit mehr als 100 Pferdeliebhaber waren zum Marktplatz gekommen, um die Oldenburger Rappen zu verabschieden. Wie berichtet, hat die Brauerei ihre insgesamt sechs Wallache verkauft – vier kommen nach Niedersachsen, zwei nach Schleswig-Holstein. Die Pferdehaltung hatte jährlich Kosten im sechsstelligen Bereich verursacht, hieß es. Geld, das nun gespart wird.

Kurt Blank aus Rhade bei Zeven hat dafür Verständnis: „Man muss heute wirtschaftlich denken.“ Dass die Brauerei nun keine Bierfässer mehr mit Pferdegespannen ausliefert, stimmt ihn allerdings traurig: „Es tut mir leid.“ Gleichsam als Verneigung vor der Tradition hatte Blank sich schick gemacht – er trug Frack und Zylinder, dazu weiße Handschuhe und Stock mit Pferdekopf: „Früher ein Zeichen der Pferdehändler.“

Allerlei andere Pferde- und Traditionsfreunde zeigten weniger Verständnis für die Entscheidung der Brauerei. „Das müssten die Chefs mal sehen, was hier abgeht“, hieß es etwa. Und: „Es kann mir keiner erzählen, dass so ein Unternehmen kein Geld für so etwas hat.“ Zumal sich das Bier gut verkaufe. Die auf dem Marktplatz spürbare Anteilnahme sei schön, meinte ein anderer. Helfen aber werde sie nicht. „Es ist schade“, sagte Bierkutscher Norbert Valentin. Viele Jahre saß er auf dem Kutschbock der Brauerei. Gestern kam er mit dem Rad. Es war zu spüren, dass er den Abschied von den Pferden mehr als bloß „schade“ fand.

Auf dem Bock saßen Stallmeister Jens Bode und Kutscher Stefan Hinck. Sie hatten bei der letzten Auslieferungstour die Zügel in der Hand. „Wehmut ist dabei“, sagte Stallmeister Bode, als er die Plane mit der nostalgisch gestalteten Aufschrift „Haake-Beck“ öffnete, um Bierfässer abzuladen. Aber: „Es ist nun mal eine unternehmerische Entscheidung. Die müssen wir hinnehmen. Wichtig ist, dass wir unsere Arbeitsplätze behalten.“ Eine ältere Frau unterbricht ihn plötzlich und möchte wissen, ob es die Pferde in Zukunft gut haben werden. „Ja“, verspricht der Stallmeister. Jubilar und Wotan hat er zur letzten Fahrt angespannt, weil sie turnusmäßig an der Reihe waren. „Es sind auch die liebsten.“