Bremen - Immer mehr Windräder drehen sich auf hoher See. Die Offshore-Windernte wird ertragreicher. Ende 2016 waren knapp 950 Windkraftanlagen in 16 Windparks auf Nord- und Ostsee mit einer Gesamtleistung von mehr als vier Gigawatt installiert. Die Wartung und Instandhaltung der Anlagen wird zum Standort- und auch zum Kostenfaktor. Forscher vom Bremer Institut für Produktion und Logistik (Biba) an der Universität belegen in ihrem Projekt „Methoden und Werkzeuge für die preagierende Instandhaltung von Offshore-Windenergieanlagen“ große Einsparpotenziale. Demnach lassen sich die Instandhaltungskosten für die Windmühlen im Meer um bis zu zehn Prozent senken, wenn agiert wird, bevor Schäden entstehen.
Das Verbundvorhaben unter Leitung des Biba wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Projektpartner sind der Hamburger Windenergieanlagenbauer Senvion und der Oldenburger Softwareentwickler SWMS. Die Instandhaltung von Offshore-Windenergieanlagen sei sehr komplex und besonders kostenintensiv, weil sie von zahlreichen Unwägbarkeiten abhänge, sagt Biba-Sprecherin Sabine Nollmann. Ein Beispiel: Wechseln Servicetechniker vom Schiff auf ein Wind-Kraftwerk, nennt man das „Überstieg“. In der rauen Nordsee sind solche Überstiege bedingt durch Wetter- und Seegangssituation und je nach Serviceschiffstyp sowie Standort des Windrads jährlich an rund 120 Tagen nicht möglich. Bei den vom Festland aus versorgten Windparks seien außerdem die Gezeiten zu berücksichtigen. Wechselnde Witterungsverhältnisse seien für Serviceschiffe ein Problem. So bleibe bei dringenden Problemen nur noch ein teurer Helikoptereinsatz. Aber auch ein Hubschrauber kann nicht bei jedem Wetter fliegen und keine schweren Lasten transportieren. So können sich schnell ungeplante Stillstände in den Offshore-Windparks ergeben. Lösungen bieten sich hier unter anderem durch bessere Einblicke in den aktuellen technischen Status der Anlagen und ihrer Komponenten, durch das Erschließen und Nutzen weiterer Datenquellen, und durch ein verstärktes Einbinden von Erfahrungswissen in die Planung.
