Bremen - Stöbern, informieren, ins Gespräch kommen – so in etwa hätte man sich den „Welttag des Buches“ in der Bremer Innenstadt am Sonnabend vorstellen können. Doch die zweite Auflage der Veranstaltung ging im geschäftigen Treiben nahezu unter. Selbst Organisator und Verleger Hermann Schünemann musste konstatieren, dass er das Gefühl hatte, „die Menschen wissen gar nicht, warum es hier kostenlos Bücher gibt“.

Es ist seit jeher eine alte Tradition. Menschen lesen, Kindern wird vor dem Zubettgehen eine Geschichte vorgelesen. Lesen verbindet, lesen bildet. Und es ist Tradition, dass am 23. April, also am „Unesco-Welttag des Buches“ Bücher als Zeichen der Wertschätzung verschenkt werden. Das literarische i-Tüpfelchen bildete am Sonnabend gleichzeitig auch der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes. Es war also alles angerichtet für eine Veranstaltung mit großer Strahlkraft. Ein angekündigter „Flashmob“, also eine spontane Zusammenkunft, bei der viele Menschen aus ihrem Lieblingsbuch vorlesen wollten, verpuffte.

Doch daraus wurde leider nur bedingt etwas. Zwischen Handwerkermarkt, Infoständen gegen Massentierhaltung und Blumenverkäufern wirkte der kleine Stand fast unsichtbar. Und doch kamen viele Menschen und griffen, was sie unter die Arme klemmen konnten. Kartonweise wurden Romane, Kinderbücher und regionale Lektüre eingepackt – den Sinn hinter der ganzen Geschichte interessierte scheinbar nur bedingt.

Mitorganisator Hermann Schünemann sagte, dass die Aktion „sehr gut angenommen“ werde, doch musste er gleichzeitig zugeben, dass er das Gefühl habe, „die Leute nehmen zwar mit, wissen aber gar nicht warum“. Dabei habe Lesen eine so „zentrale Schlüsselfunktion im Leben“, meinte Schünemann. Seiner Erfahrung nach werde nach wie vor „definitiv viel analog gelesen“, besonders bei Kindern müsse großer Wert darauf gelegt werden, dass Lesekompetenz früh gefördert werde.