Bremen - Ein verletzter Wolf tritt in den urbanen Raum ein. Das könnte gefährlich werden. Zwei mögliche Wolfssichtungen in den vergangenen Wochen im Ortsteil Borgfeld haben eine Debatte zum Umgang mit dem Raubtier entfacht. Jäger und Umweltressort haben unterschiedliche Sichtweisen zur Qualität der Nachweise.
Die erste Sichtung erfolgte am 28. Januar im Gewerbegebiet Haferwende kurz nach 8 Uhr. Der vermeintliche Wolf lief auf dem Lehester Deich aus dem Gewerbegebiet Haferwende kommend in Richtung Lilienthaler Heerstraße. Er soll mehrmals den Autobahnzubringer überquert haben. Als das Tier einige Minuten später hinter einer Waschstraße im Gewerbegebiet auftauchte, schien es verletzt zu sein. „Es keuchte, wirkte gehetzt und hatte eine Verletzung an den Hinterläufen“, so eine Augenzeugin, die das Tier in zwei Meter Abstand aus ihrem Auto beobachtete.
Ein verletztes Wildtier stelle eine unkalkulierbare Gefahr dar, erklärt die Landesjägerschaft Bremen. Am 9. Februar wurde erneut eine Wolfssichtung in Borgfeld gemeldet. Von der ersten Sichtung gibt es ein Foto. Für den Laien ist das Tier kaum von einem Schäferhund zu unterscheiden. Die Landesjägerschaften Bremen und Niedersachsen sind sich einig: Es war ein Wolf, der erste Nachweis der Stufe „C1“ mit der höchsten Sicherheit im Land Bremen.
„Das haben erfahrene Leute unabhängig voneinander geprüft“, sagt Marcus Henke, Vizepräsident der Landesjägerschaft Bremen. Das Umweltressort ist skeptisch. „Das ist keine ,C1‘-Quelle. Das Foto ist sehr unscharf“, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Ressorts. Das Tier könne nicht zweifelsfrei als Wolf erkannt werden. Es läge nur eine „C3“-Quelle vor, also ein unbestätigter Hinweis.
Am 6. März treffen sich Landwirtschafts- und Umweltverbände sowie die Landesjägerschaft zum Gespräch mit dem Umweltressort. Dabei geht es auch um mögliche Entschädigungen von Landwirten bei Wolfsriss. Hierfür gäbe es keine Strukturen in Bremen, so Henke. Er hofft auf ein umfassendes Konzept bis zum Sommer.
