Bremerhaven - Durchschnittlich zwei Mal pro Tag wird irgendwo in Bremerhaven eine Wohnung geknackt. Doch gegen die auch im Bundesvergleich hohe Zahl von Wohnungseinbrüchen ist die Polizei allein nahezu machtlos. Zu diesem Ergebnis kommt der Bochumer Jurist und Sozialwissenschaftler Professor Thomas Feltes in einer Studie, die er für das Bremer Innenressort und den Bremerhavener Magistrat erarbeitet hat. „Die Ursachen liegen in den sozialen Rahmenbedingungen, daher müssen vorbeugende Maßnahmen bei diesen Rahmenbedingungen ansetzen“, rät der Kriminalitätsexperte.

Einbruchdiebstahl hat zwei Seiten. „Für die potenziellen Täter ist es häufig die einzige Möglichkeit, ohne Gewaltanwendung an Geld zu kommen“, sagt Feltes. Doch aus den Gesprächen mit Einbruchsopfern in Bremerhaven weiß der Experte auch: „Einbruchdiebstahl kann bei den Opfern schwere und anhaltende Folgen hervorrufen.“ Weil die Polizei nur eine geringe Zahl der Straftaten aufklären kann, wird in der Öffentlichkeit zumeist der Staatsmacht die Schuld für das Problem gegeben.

Doch Polizei und Justiz leisten in Bremen und Bremerhaven gute Arbeit, meint der Professor. Bei den Ermittlungen seien keine wiederkehrenden Mängel festzustellen; die Verfahren dauerten auch nicht übermäßig lang. Dennoch sieht Feltes grundsätzliche Verbesserungsmöglichkeiten.

Von Seiten der Stadt müsse stärker gegen die Auslöser für Beschaffungskriminalität wie geringe Bildung, Alkohol- und Drogenmissbrauch vorgegangen werden. Wenn die Ursachen für Einbrüche weniger akut seien, ginge auch die Zahl der Einbrüche zurück. Die Polizei müsse Eigentümer und Mieter verstärkt über den Schutz ihrer Wohnungen aufklären; schließlich sollten vermeintliche Hehler häufiger kontrolliert werden.