Berlin /Bremerhaven Die größte Truppenverlegung der USA nach Europa seit 25 Jahren steht unmittelbar bevor – und Bremerhaven wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Wie Bundeswehr und US Army am Dienstag in Berlin ankündigten, startet die großangelegte Militärübung „Defender Europe 2020“ bereits in der kommenden Woche mit den ersten Transporten – allerdings noch im überschaubaren Rahmen.
Der Großteil der Konvois, mit denen Tausende Soldaten samt Material und Fahrzeugen nach Osteuropa gebracht werden sollen, sei für Ende Februar und Anfang März geplant. Im Rahmen der Großübung sollen testweise rund 20.000 Soldaten von den USA quer durch Deutschland nach Osteuropa verlegt werden, um für eventuelle Krisenfälle gewappnet zu sein.
Darüber hinaus sind mehrere weitere Übungen in Deutschland, Polen, Georgien und dem Baltikum geplant, so dass insgesamt 37 000 Soldaten aus 18 Nationen beteiligt sein werden. Der stellvertretende Kommandeur der US Army Europe, Major General Andrew Rohling, sprach von einem Signal, dass die USA ihrer Verantwortung für Europa und die Nato-Partner gerecht würden.
Die Einsatzkräfte und das Material, darunter Panzer und weitere Militär-Fahrzeuge, aus den USA sollen per Schiff und Flugzeug nach Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland gebracht werden. In Bremerhaven sollen die ersten Transportschiffe etwa nach derzeitiger Planung am 22. Februar entladen werden. Der Weitertransport nach Polen und in die baltischen Staaten erfolgt anschließend per Straße und Schiene.
Es ist nicht das erste Mal, dass Bremerhaven als Drehscheibe für die Verlegung von US-Streitkräften genutzt wird. Bereits im Januar 2017 wurde Kriegsgerät für die US-Operation Atlantic Resolve in der Seestadt umgeschlagen.
Um die Belastung für die Bevölkerung zu minimieren, werde der Großteil der Transporte nachts zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr erfolgen, versicherte Rohling. „Wenn es gut geht, wird man es nicht bemerken“, ergänzte Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis der Bundeswehr. Auszuschließen seien Staus und Behinderungen auf den Straßen allerdings nicht. Auswirkungen auf den Personenverkehr der Bahn werden nicht erwartet.
Die Militärübung ist allerdings nicht unumstritten und wird von Kritikern als Provokation gegenüber Moskau verstanden. Dies wiesen die Verantwortlichen ausdrücklich zurück. Schelleis betonte, die Übung sei längerfristig angelegt, um in einem möglichen Krisenfall reagieren zu können. „Sie ist nicht gegen Russland gerichtet.“ Sollte es in Deutschland trotzdem zu Protestaktionen kommen, sehe er das aber auch nicht als Problem. Proteste seien völlig in Ordnung, „solange sie geordnet und im Rechtsrahmen ablaufen“.
