Bremerhaven - Den letzten Bezugspunkt zur Heimat erblickten Hunderttausende von Auswanderern an Bord der Passagierdampfer etwa 50 Kilometer von Bremerhaven entfernt: Mitten in der Nordsee stand der Leuchtturm Roter Sand. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das erste Offshore-Bauwerk der Welt ist immer noch da. Doch daran könnte sich schon demnächst etwas ändern.
Seezeichen 140 Jahre alt
Experten attestierten dem rotweißen Bauwerk in der Nordsee bereits im Jahre 2019 gravierende Mängel. Der 140 Jahre alte Turm ist nämlich so marode, dass seine Standsicherheit angeblich gefährdet sein soll. Und tatsächlich wirkt der „Rote“ schon rein äußerlich stark angegriffen.
Seit dieser Erkenntnis gibt es Überlegungen zur Rettung des Baudenkmals, das schon 1964 nicht mehr benötigt und außer Dienst gestellt wurde. Auch in Bremerhaven meldeten sich Stimmen, die vorschlugen, den Turm an Land zu holen, küstennah an prominenter Stelle zu positionieren und ihn dann zu sanieren.
Günthner zurückhaltend
Das aber gefällt dem Förderverein Leuchtturm Roter Sand gar nicht. In einem offenen Brief kritisiert der Verein Pläne, den Turm „trockenzulegen“. Viel besser und vor allem kostengünstiger sei eine Sanierung vor Ort. Zugleich legt der Verein einen Finger in diese Wunde: In den vergangenen Jahren, heißt es in dem Schreiben, sei nichts für den Unterhalt des Turms getan worden. Daher sei es kein Wunder, dass er zuletzt stark gelitten habe und nun ein Mehraufwand erforderlich werde. Das weltweit bekannte Seezeichen, das Fans in vielen Ländern hat, gehört dem Bund.
Ob der Leuchtturm Roter Sand eines Tages tatsächlich in Bremerhaven stehen wird, ist völlig unklar. Erst in dieser Woche reagierte auf eine entsprechende Nachfrage Bremerhavens SPD-Chef Martin Günthner eher zurückhaltend. Bremerhaven könne nicht immer gleich die Hand heben, wenn es irgendwo gerade wieder um den Erhalt eines historischen Bauwerks gehe, meinte Günthner.
Er erinnerte außerdem daran, dass man in Bremerhaven gerade mit älteren Bauwerken in der Vergangenheit bekanntlich nicht immer die besten Erfahrungen gesammelt habe. Zu Gesprächen sei man aber natürlich bereit.
