Bremerhaven - Jeroen Pols, Jan Engel, und ein Mann, der sich Ali nennt, betreiben auf Bremerhavens Sex-Meile an die 50 Koberfenster. Normalerweise stehen hinter den Scheiben, die sich wie Terrassentüren öffnen lassen, Prostituierte. Sie warten auf Freier. Doch seit der Corona-Krise bleiben die Bordellbetriebe auf behördliche Anordnung geschlossen. Seither gehen die Liebesdamen auf der Straße anschaffen.
Pols, Engel und Ali halten davon nicht viel. Sie wissen: Für die Frauen wird der Job dadurch gefährlicher. Gerade ist eine der Prostituierten in einer Bremerhavener Wohnung von einem Freier gewürgt und mit einem Messer am Bauch verletzt worden. Das kann an der Lessingstraße nicht so schnell passieren. Dort garantieren die Bordellbetreiber mehr Sicherheit.
Kritik üben Pols, Engel und Ali an den Behörden. Seit Monaten warten sie auf Informationen, wann es mit dem Betrieb im Amüsierviertel weitergehen kann und unter welchen Voraussetzungen. „Aber wir erhalten keine Antwort“, bedauern die beiden Niederländer Pols und Engel. Gemeinsam mit Ali zählen sie auf der Sex-Meile zu den „global Playern“.
Ali ist sauer
Sauer ist Ali noch aus einem anderen Grund auf die Behörden. Nach dem strengen Prostituiertenschutzgesetz musste er 350.000 Euro in seinen Betrieb investieren – für Pausenraum, Tresore, moderne Sanitäranlage. Eine Konzession hat er immer noch nicht. „Ich frage mich, ob dieses Gesetz nur für mich gilt oder auch für andere, bei denen solche Voraussetzungen nicht erfüllt sind“.
Viele Freier unterwegs
Über diese Einzelheiten zerbrechen sich die Freier nicht den Kopf. Sie tingeln im zweiten Gang langsam durch die Lessingstraße und halten Ausschau nach den meist ungarischen Frauen, die sie sonst nur hinter den Koberfenstern stehen sehen.
Anja hofft auf Lockerung
Anja, die ebenfalls im Sexgewerbe tätig ist, hofft, dass es bald wieder weitergeht. In den meisten anderen europäischen Ländern, weiß Anja, läuft das Geschäft mit dem bezahlten Sex schon wieder – nur in Deutschland bleiben die Bordelle dicht.
