Bremerhaven - In George Town, der Hauptstadt der Kaiman-Inseln, lagen die Zigarrendreher noch in ihren Betten, als die in der karibischen Steueroase gemeldete Megayacht „Octopus“ am vergangenen Mittwoch aus Gibraltar kommend Bremerhaven erreichte. Ziel der Super-Luxus-Krake war die Lloyd Werft. Dort wird das außergewöhnliche Schiff mindestens bis Mai 2024 bleiben. Könnte man in die Auftragsbücher der Werft schauen, wäre schnell klar: Hier geht es um eine umfassende Frischzellenkur – wenn nicht sogar noch um einiges mehr.
Für den Weg von der Nordschleuse bis zur Werftkaje ließ sich die Crew genügend Zeit mit der „Octopus“. Langsam und vorsichtig ging es ohne Schlepperhilfe durch den Verbindungskanal, vorbei an zwei weitaus kleineren Yachten. Offenbar ist geplant, die „Octopus“ trockenzulegen. Dafür käme unter Umständen das Dock III der Lloyd Werft in Betracht.
Im Hafen erzählt man sich, dass das Schiff nicht nur von außen rundum erneuert werden soll. Auch ein frischer Anstrich ist vorgesehen. Ferner sind in den mondänen Innenräumen allem Anschein nach Veränderungen geplant. Möglich auch, dass sich am Schiffsantrieb etwas verändert. Die Rede ist von zwei neuen Elektromotoren. Bestätigen will die Lloyd Werft das alles nicht. So ist es üblich bei Spezialaufträgen dieser Art.
Als die „Octopus“, im Auftrag der Lürssen Werft in Kiel gebaut, 2003 ausgeliefert wurde, galt sie mit ihren 126 Metern als eine der längsten Privatyachten der Welt. 2022 rangierte sie in diesem Ranking immerhin noch auf Platz 23.
Das Schiff gehörte dem inzwischen verstorbenen Paul Allen. Er gründete gemeinsam mit Bill Gates das Softwareunternehmen Microsoft. Beide saßen von 1975 bis 1983 im Vorstand. Heute gehört das Luxus-Schiff angeblich dem schwedischen Milliardär Roger Samuelsson (59).
Die „Octopus“ erfuhr 2019 bei Blohm+Voss in Hamburg eine umfangreiche Sanierung. Anschließend stand sie zum Verkauf – für 295 Millionen Dollar. Als niemand „anbiss“, reduzierte man den Preis auf 235 Millionen Dollar. Aber erst 2021 erhielt die Super-Luxus-Krake einen neuen Eigner.
Die „Octopus“ (57 Mann Besatzung) verfügt über einen Hangar für zwei Hubschrauber, ein 19 Meter langes Beiboot sowie ein gelbes U-Boot für acht Personen.
