Bremerhaven - Seit Monaten wartet die Lessingstraße, Bremerhavens Sex-Meile, auf die Erlaubnis, alle Koberfenster wieder öffnen zu dürfen. Weil die nicht kam, vermieten Bordellbetreiber seit kurzem Wohnungen an Prostituierte. Die Folge: Rund 40 Frauen, meist aus Ungarn und Bulgarien, stehen auf der Lessingstraße, lassen sich dort von Kunden ansprechen und nehmen sie mit in die angemietete Wohnung – wenn man sich handelseinig geworden ist.
Gern sehen die Bordellbetreiber dieses „Verfahren“ nicht. „Wir verfügen in unseren Etablissements über erstklassige Sicherheitsvorkehrungen und Meldewege. Die dürfen wir im Moment nicht einsetzen. So verschwinden die Prostituierten mit dem Mann allein in ihren Wohnungen. Dort ist ein persönlicher Schutz nur sehr bedingt möglich“, erklärte Bordellbetreiberin Erzsebet Schmitz. Der gebürtigen Ungarin wäre es bedeutend lieber, wenn die Koberfenster wieder geöffnet werden dürften.
Erstmals wieder Stau
Ganz ähnlich sieht das der Niederländer Jan Engel, ebenfalls Betreiber eines Bordells. „Offenbar hat es sich über das Internet verbreitet, dass an der Lessingstraße Bewegung ist. Neulich kam es nach längerer Zeit mal wieder zu einem Pkw-Stau vor unseren Häusern. Endlich, möchte man sagen“, so Engel.
Die Schließung der Lessingstraße wegen der Corona-Krise hat aber nicht nur wirtschaftliche Folgen für das Rotlichtgewerbe, es hat auch die Sicherheitslage im Bezirk verändert. Bordellbetreiber Ali weiß: „Es sind deutlich mehr Drogenkonsumenten unterwegs, Eigentumsdelikte häufen sich. Wenn normaler Betrieb auf der Lessingstraße ist, haben wir diese Probleme über unseren Securitydienst miterledigt. Das fällt gegenwärtig flach und führt zu keiner guten Entwicklung, zumal die Polizei sich auch nur äußerst selten sehen lässt, um einzuschreiten.“
Ämter wollen prüfen
Unterdessen will die Bremerhavener Stadtverwaltung prüfen, ob es tatsächlich zulässig ist, wenn Prostituierte eine Wohnung anmieten und darin Freier bedienen. Möglicherweise wurde hier ein Schlupfloch im Gesetz gefunden. „Die Ämter sind sich da noch nicht ganz einig, wollen die Angelegenheit in der kommenden Woche prüfen“, bestätigte Magistrats-Sprecher Volker Heigenmooser.
Gegen Straßenstrich
Wann daran gedacht sei, die Lessingstraße komplett wieder zu öffnen, so Heigenmooser, wisse er nicht. Das entscheide einzig und allein das Land. „Allerdings ist es nicht im Interesse der Stadt, dass sich an der Lessingstraße nun ein Straßenstrich entwickelt“, so Heigenmooser.
In größeren Städten wie München, Nürnberg oder Berlin soll zumindest der Erotikservice wieder freigegeben worden sein. Ob sich in dieser Frage auch im Land Bremen etwas tut, muss wohl abgewartet werden.
