Bremerhaven - Im Seenotrettungskreuzer „Hermann Rudolf Meyer“ bewegt sich Peter Plump so selbstverständlich wie andere Menschen in ihrem Wohnzimmer. „Na ja, das ist ja auch mal mein Wohnzimmer gewesen“, sagt der 62-Jährige. Von 1984 bis zum Erreichen der Seemannsrente war Plump Chef auf der „Station Bremerhaven“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Jetzt ist er mal wieder zu Besuch auf der Station an der Geeste, die 1863 gegründet worden war. Plump ist ein Stück ihrer Geschichte. Schon sein Vater Wilhelm war hier von 1957 bis 1973 Vormann.
„Hallo“, begrüßt Plump den heutigen Vormann Andreas Brensing knapp. Große Worte sind nicht die Sache der „Retter ohne Ruhm“, wie sie der Schriftsteller Hans Georg Prager in seinem legendären Reportagebuch nannte. „Wenn wir rausfahren, bleibt keine Zeit für lange Reden“, sagt Brensing. „Da muss man sich ohne viele Worte verstehen“, bestätigt Plump.
Die „Station Bremerhaven“ gehört zu den ältesten der DGzRS. Zwei Jahre vor deren Gründung 1865 wurde an der Geestemündung das erste Rettungsboot stationiert. „Allen Respekt“ habe er vor den Männern damals, sagt Plump: „Die waren ja völlig auf sich allein gestellt, wenn sie mit dem Ruderboot losgefahren sind.“
Die Technik hat sich seither gewaltig geändert. 2700 PS treiben den Bremerhavener Rettungskreuzer „Hermann Rudolf Meyer“ an, eines von 60 Schiffen auf den 54 Stationen der DGzRS. Doch eines ist wie in den Anfangszeiten geblieben: „Wir finanzieren uns ausschließlich über Spenden“, betont Brensing.
Neun Mann gehören heute zur Station; vier von ihnen sind jeweils 14 Tage auf Wache an Bord. Vor 150 Jahren waren es zehn Mann, die ein Rettungsboot besetzten. Acht ruderten, einer steuerte, einer hielt Ausguck. Wenn Seenotsignale gesichtet wurden, wuchteten die Retter ihr Ruderboot ins Wasser und pullten los. Heute werfen die Seenotretter die Maschine an und „legen den Hebel auf den Tisch“, sie geben also Vollgas. Ihre Antwort auf einen Notruf ist aber so wortkarg wie damals: „Wir kommen.“
