Bremerhaven - Ein armdicker Wasserstrahl, der rund um die Uhr aus dem Segelschiff strömt, lässt die Dimension des Unheils ahnen. Seit Jahren dringt aus ungeklärter Ursache Wasser in den Rumpf des letzten erhaltenen hölzernen Großseglers der Welt. Tag und Nacht sorgen elektrische Pumpen an Bord dafür, dass die Bark im Hafen des Deutschen Schiffahrtsmuseums (DSM) nicht untergeht. Immerhin: Durch diesen Dauereinsatz ist sichergestellt, dass das beliebte Restaurant an Bord nicht gefährdet ist. Aber niemand weiß, wie das Schicksal des 76 Meter langen Dreimasters ausgehen wird.

Bereits vor mehr als zwei Jahren hat das Schiffahrtsmuseum angekündigt, dass die „Seute Deern“ dringend ins Dock muss. Doch die Sanierung blieb genauso in den Planungen stecken wie die Modernisierung des Museums selbst. Obwohl das Volumen für dessen Umbau von einst 100 Millionen Euro auf zunächst 42 Millionen Euro reduziert wurde, ist der Beginn des ersten Bauabschnittes nicht zu erkennen. Frühestens 2016, eher 2017 heißt es bei der Bremer Landesregierung.

Im Zuge des Umbaus will das DSM auch den Museumshafen vor der Tür umgestalten. Alle dort verankerten Museumsschiffe kommen in die Jahre. Das älteste Exemplar ist die „Seute Deern“. Sie kam 1966 nach Bremerhaven und war der Anlass für die Gründung der Stiftung „Deutsches Schiffahrtsmuseum“. Bis dahin hatte sie eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Diese Geschichte hatte unheilvoll begonnen: Bei der Jungfernfahrt vor 95 Jahren verschwand der Kapitän spurlos. Die Besatzung flüchtete in Rettungsbooten von Bord. Tagelang trieb der Frachtsegler als Geisterschiff vor der amerikanischen Küste, bis er geentert und in seinen Heimathafen Gulfport zurückgebracht wurde.