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nordwest-zeitung

Tv-Duell Alle fühlen sich als Sieger

Gunars Reichenbachs Büro Berlin

Berlin - „Klare Siegerin“ und „Kanzlerin stärker als vor vier Jahren“ oder doch „überzeugender Sieger“ und „Klartext gewinnt“ – Union und SPD liefern sich nach dem TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) am folgenden Montagmorgen ein regelrechtes Noten-Duell. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sieht einen „Etappensieg“ nach der Redeschlacht auf vier Fernsehkanälen. Der FDP-Spitzenkandidat spürt „großen Optimismus“ vor der Bundestagswahl in knapp drei Wochen für die schwarz-gelbe Koalition.

Doch Gröhe tritt zeitgleich auf die Euphoriebremse im Koalitionslager. „Es wird ein sehr, sehr enges Rennen“, traut der Wahlkampfstratege im Konrad-Adenauer-Haus den bisher guten Umfragen für die Union nicht ganz über den Weg. Die CDU-Basis fordert der Generalsekretär auf, „hart und konzentriert“ im Endspurt zu kämpfen. Übrigens: Eine gute Note gibt Gröhe nicht nur seiner Kanzlerin. Auch in anderen Parteien findet sich Lob für den unkonventionellen Moderator Stefan Raab. „Es war eine gute und wichtige Stimme in dem Moderatoren-Quartett“, sagt Gröhe.

Gabriel: „Ausgang offen“

SPD-Chef Sigmar Gabriel hält mit Gröhe den Wahlausgang am 22. September für „weiter offen“ – gerade nach dem überzeugenden TV-Auftritt des SPD-Kanzlerkandidaten gebe es „erheblichen Rückenwind“. „Steinbrück verspricht nur, was er auch finanzieren und halten kann. Merkel dagegen verspricht viel, aber ohne zu sagen, woher das Geld kommen soll“, lautet Gabriels Duell-Bilanz, die die Schauspielerin Mo Asumang als Augenzeugin mit den Worten umschreibt: „Bei Steinbrück habe ich das Gefühl, auf den Typen ist Verlass.“ Literaturnobelpreisträger Günter Grass formuliert’s feiner: „Wir brauchen jemanden mit intellektuellen Qualitäten. Jemand, der einschläfert, den haben wir schon.“

Der Verband der Redenschreiber, der mit rund 100 Mitgliedern die rhetorische Schlacht verfolgte, kommt zu anderen Schlüssen als Grass. „Beide wirkten sehr trainiert“, bestätigt die Berliner Redenschreiberin Jacqueline Schäfer sowohl Merkel wie Steinbrück, sich gut geschlagen zu haben. Bei den Experten lag Steinbrück zwar durchweg „knapp vorn“ auch wegen seiner „bildhaften Sprache“. „Aber keiner von beiden hat wirklich überzeugend darlegen können, wie die Menschen von ihrer jeweiligen Politik wirklich profitieren“, kritisiert Expertin Alexandra Donath. Verbands-Präsident Vazrik Bazil kommt deshalb zu dem Schluss: „Leider haben die beiden Duellanten keine Geschichten erzählt, sondern viel abstrakte Wörter benutzt, mit denen wahrscheinlich wenige Zuschauer etwas anfangen können.“

Kritik vom Beamtenbund

Mit dem Stichwort Pensionen allerdings können aktive und ehemalige Staatsdiener sehr gut etwas anfangen. Die Anmerkung Steinbrücks, man müsse das „überproportionale Auseinanderdriften“ von Pensionen und Renten korrigieren, trifft beim Beamtenbund auf Widerspruch. Beamtenbundchef Klaus Dauder­städt vermutet, dass Steinbrück damit Eingriffe in Pensionen plant. „Diese Auseinanderdriften kann ich nicht erkennen“, kritisiert Dauder­städt. Auch Beamte hätten in den vergangenen Jahren Nullrunden hinnehmen müssen. „Steinbrück hat sich bei dem ernsten Thema Alterssicherung offenbar vergaloppiert“, fordert der Beamtenbundchef eine „Klarstellung“ vom SPD-Kanzlerkandidaten.

Schon an diesem Dienstag besteht dazu Gelegenheit. Runde zwei im Rede-Duell geht diesmal im Bundestag über die Bühne. Einziger Tagesordnungspunkt ist eine Debatte über die Lage in Deutschland und den Etat 2014, zu dem Merkel spricht. Dabei dürfte Steinbrück der schwarz-gelben Koalition wie im Duell eine schlechte Bilanz vorwerfen. Geplant sind Ausgaben von 295,4 Milliarden Euro, rund 15 Milliarden weniger als in diesem Jahr. Mal sehen, wer beim Jonglieren mit Zahlen besser agiert.

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