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NWZonline.de Bundestagswahl

Humanist mit einer Prise Sozialismus

24.08.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-22T11:41:54Z 280 158

Bundestagswahl:
Humanist mit einer Prise Sozialismus

Wilhelmshaven Warum eigentlich in die Politik gehen, wenn man keine Regierungsverantwortung will? Für Ralph Niemeyer, Bundestagskandidat der Partei die Linke im Wahlkreis 26 (Friesland/Wilhelmshaven/Wittmund) kein Widerspruch. Gestalten wolle man sehr wohl, doch erst zum richtigen Zeitpunkt. Das Überraschende: Erster und wichtigster Ansprechpartner soll dann nicht die SPD sein – sondern die CDU.

Der 43-Jährige sieht das pragmatisch: „Ich glaube nicht, dass der nächste Bundestag die vollen vier Jahre überstehen wird.“ Die Euro-Krise werde dem Wirtschaftssystem derart zusetzen, dass der Zusammenbruch die Folge sein wird. Zu Recht, wie der gebürtige Berliner findet. „Wachstumswahnsinn“ und ein „Profit-Fetisch“ hätten Europa in die aktuelle Situation geführt. „Wir stellen das als Partei in Frage“, sagt er.

Am Ende, wenn das Finanzsystem kollabiert, müssten die demokratischen Kräfte an einen Tisch finden. Und da gebe es nur zwei wirkliche Blöcke in Deutschland: die Linke – und eben die CDU als Führer eines neoliberalen Blocks aus CDU, FDP – und der SPD.

Ralph Niemeyer ist Vater von vier Kindern und war bis vor kurzem mit der Linken-Bundestagsabgeordneten Sahra Wagenknecht verheiratet. Die Beziehung sei auch an der Entfernung gescheitert, sagt er. Bis vor zwei Jahren lebte der Journalist und Dokumentarfilmer in Irland, pendelte zwischen den Ländern.

Eine Regiearbeit am Film „Das Märchen der Deutschen“ bringt ihn vor zwei Jahren zurück nach Deutschland. Das Thema: Rente, Pflege, soziale Unsicherheit in Zeiten der Euro-Krise. „Als ich zurückkehrte, war schnell klar, dass ich mich politisch engagieren wollte“, sagt er.

Und warum gerade in dieser Region? „Ich habe mich den Norddeutschen stets nah gefühlt“, sagt Niemeyer. Denn die hätten mit den Iren, in deren Land er 18 Jahre lebte, vieles gemeinsam, „sympathische Unaufgeregtheit und hintergründigen Humor“ zum Beispiel.

Zudem sei der Wahlkreis ein Mikrokosmos, in dem sich die Probleme Deutschlands auf kleinstem Raum zeigten: Arbeitslosigkeit, Ausbeutung von Leiharbeitern, die Folgen von Hartz IV, Altersarmut und Probleme bei der Energiewende – vieles, was es anzupacken gelte.

Mehr Sozialismus also für Deutschland und Europa? „In erster Linie bin ich Humanist“, sagt der Linke-Kandidat. „Aber wenn man das sein will, kommt man ohne einen kleinen Schuss Sozialismus nicht aus.“