Burhave - Auch Kinder- und Jugendliche müssten lernen, dass sie nicht ungeschoren davonkommen, wenn sie die Privatsphäre anderer Menschen verletzen, machte Jens Wiemken deutlich. Eine unberechtigte Veröffentlichung von Fotos sei eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte und dann möglicherweise auch eine Straftat mit Konsequenzen, erläuterte der Referent der Medien der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen.

Jens Wiemken aus Vechta war Gast einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der Grundschule Butjadingen und des Präventionsrates der Gemeinde im Burhaver Schulgebäude. Im Mittelpunkt stand das Thema „Cybermobbing“, bei dem die „Täter“ Internet- und Telefondienste nutzen, um ihre „Opfer“ bloßzustellen oder zu schikanieren.

Dass sich Schule und Präventionsrast mit dem Thema beschäftigten, hat einen aktuellen Anlass. Vor wenigen Wochen habe es auch in Butjadinger Schulen Cybermobbing-Vorfälle gegeben. Schüler hätten beschämende Fotos über Smartphones und in sozialen Netzwerken im Internet veröffentlicht, berichtete Joachim Wulf. Er ist in der Gemeindeverwaltung für den Jugendbereich zuständig.

Cybermobbing in der Schule nehme weiter zu. „Das was wir heute mitbekommen, ist nur die Spitze eines Eisberges“, machte Jens Wiemken deutlich. Den jungen Leuten gehe es in ihrer Phase ihrer Pubertät um Ablösung vom Elternhaus, sie suchten sich Anerkennung und Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerke, erläuterte der Medienpädagoge.

Zudem habe der Umgang mit Internet und Smartphones die Gesellschaft verändert. Oft könne man junge Mütter und Väter mit der einen Hand am Kinderwagen und mit der anderen Hand mit dem Handy telefonierend beobachten. Dabei wünschten sich Kinder die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern.

Bereits Sechsjährige surften am Computer oder nutzten Hausaufgaben-, Nachhilfe- oder Spieleplattformen. Hier lauerten aber Abo-Fallen auf die jungen Nutzer. Eltern sollten die unberechtigt zugesandten Rechnungen jedoch nicht begleichen auch wenn mit Zwangsmaßnahmen gedroht werde, rät Jens Wiemken.

Soziale Netzwerke hätten zwar eine Altersbeschränkung, eine Überprüfung fände jedoch nicht statt. Beim Stöbern auf den verschiedenen Seiten würden Kinder und Jugendliche zudem auf gewaltverherrlichende, rechtsradikale oder pornografische Inhalte stoßen. Besonders warnte der Referent vor Chaträumen, in den sich zahlreiche pädophil veranlagte Männer tummeln.

Der Medienpädagoge wies auf einen neuen Trend hin, dem sogenannten „Sexting“, bei dem Nacktfotos verschickt werden. „Einmal im Internet kann man diese Aufnahmen nie wieder löschen, weil sie nach wenigen Minuten bereits unter den Freunden geteilt werden“, verdeutlichte Jens Wiemken. Mutwilliges und bösartiges Cybermobbing sollte auf jedem Fall angezeigt werden, gab er den Eltern mit auf den Weg.