Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Kultur Alternative Zukunftsstrategien entwickeln

Heidi Scharvogel

Oldenburg - Schauspieler und Dramaturgen, die mit Uni-Wissenschaftlern zusammenarbeiten, sind nicht unbedingt alltäglich. Wenn es darum geht, Lebensstile für die Zukunft zu entwerfen, ist diese Kooperation nach Ansicht des Postwachstumsökonomen apl. Prof. Dr. Niko Paech von der Uni Oldenburg geradezu zwingend: „Wir brauchen die Kunst, um die Gesellschaft zu verändern. Und es muss sich etwas ändern, weil unser ständiges Streben nach Wachstum weder nachhaltig ist, noch glücklich macht. Das Instrumentarium der Nachhaltigkeitsforschung allein reicht nicht aus, um diese Transformation zu erreichen.“

Doppelter Gewinn

Da ist es nur konsequent, dass das Oldenburgische Staatstheater in seinem Themenschwerpunkt „Postkollaps – Gemeinsam weniger erreichen“ in mehreren Projekten mit der Universität Oldenburg kooperiert. Ausgangspunkt der Zusammenarbeit war das Repair Café, das die Arbeitsgruppe Technische Bildung der Uni Oldenburg gestartet hatte. Marc-Oliver Krampe, Initiator des Postkollaps-Projekts und Dramaturg am Staatstheater, bot die Probebühne des Theaters und die Mitwirkung von Schauspielern an.

„Diese erste Kooperation ist für uns Wissenschaftler bereits ein doppelter Gewinn gewesen: Es sind viele neue Leute ins Repair Café gekommen und von den Schauspielern haben wir interessante Aspekte der Nachhaltigkeitskommunikation kennengelernt“, so Paech.

Unter dem Motto „Kultur als zu reparierendes Gut“ überlegten sich Dramaturgen und Schauspieler, welches Kulturgut sie pflegen könnten. „Viele Menschen haben keine Zeit anderen zuzuhören. Deshalb hat eine Schauspielerin eine ,Küchenpsychologische Praxis’ eröffnet. Sie stellt Fragen und hört den Leuten zu“, berichtet Gesine Geppert, Produktionsleiterin der Sparte 7 am Staatstheater.

Im „Amt für materielle Abrüstung“ können Anträge auf Ab- beziehungsweise Umrüstung im öffentlichen Raum eingereicht werden. Das könne etwa die Umwandlung von Parkplätzen in Grünflächen sein. „Außerdem können Gegenstände abgegeben werden, die keinen Sinn mehr haben oder bereits sinnfrei produziert wurden“, sagt Paech – wie etwa ein Fingernageltrockengerät in Form eines Äffchens. Die abgegebenen Gegenstände werden im „Museum für Konsumwahn“ ausgestellt, das Studierende des Nachhaltigkeits-Masterstudiengangs „Sustainablitiy Economics and Management“ verwirklicht haben.

Altes neu gedacht

„All diese Aktionen sollen dazu anregen, sich neu mit Selbstverständlichem auseinanderzusetzen“, so Geppert. „Die Kunst kann viel fantasievoller dazu anregen, über Alternativen nachzudenken, als die Wissenschaft“, ergänzt Paech.

Aktuell beschäftigen sich Studierende und Theaterleute in dem interaktiven Stück „Utopoly“ mit Zukunftstheorien. Schwimmende Städte auf dem offenen Meer, Charter Cities als Hilfe zur Selbsthilfe in Krisengebieten und eben die Postwachstumsgesellschaft sind nur einige der Ideen, aus denen Künstler und Studierende derzeit gemeinsam ein Spiel mit möglichen Welten – so der Untertitel des außergewöhnlichen Spielabends – entwickeln.

„Wir verwandeln die Exerzierhalle in eine Art utopisches Casino“, so Geppert. „Durch ihr Spiel beeinflussen die Besucher den Verlauf des Abends. Jeder der vier Spieltermine wird damit andere Ergebnisse hervorbringen in Bezug auf die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen.“

Vervollständigt wird die Kooperation durch die Ringvorlesung zu Postwachstumsökonomie und das Diskussionsforum „Werkstatt Zukunft“, das als Fernsehformat auf O1 gezeigt wird.

Die Resonanz auf die Postkollaps-Projekte ist sehr positiv. „Es kommen immer mehr“, so Paech. Ist die kritische Masse erreicht, wird sich die Gesellschaft verändern. „Wenn 33,3 Prozent überzeugt sind, dass ihr altes, selbst repariertes Fahrrad cooler ist, als ein nagelneues Markenrad, dann setzen sie neue Maßstäbe. Dann ist wegwerfen nicht mehr angesagt.“

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Wills Woche

BUCH DES AFD-SPITZENKANDIDATEN KRAH „Politik von rechts“? Politik gegen die Freiheit!

Alexander Will
Interview
Niels Bötel (Mitte) spricht mit seinen Spielerinnen. Der VfL Oldenburg hat die Bundesliga-Saison auf Rang sieben abgeschlossen und war beim Final-Four-Turnier dabei.

HANDBALL-TRAINER NIELS BÖTEL IM INTERVIEW „Meine Aufgabe beim VfL Oldenburg ist noch nicht erledigt“

Otto-Ulrich Bals
Kleine Kinder haben Fragen zu Schwangerschaft, Geburt und Stillen. In Oldenburg wollen Hebammen Unterrichtsstunden zu diesen Themen in den vierten Klassen geben.

PILOTPROJEKT IN OLDENBURG Schwangerschaft, Geburt und Stillen – Was Grundschüler bei Hebammen lernen

Anja Biewald
Oldenburg
Analyse
Bundeskanzler Olaf Scholz besucht den Katholikentag in Erfurt

SPD-WAHLKAMPF ZUR EUROPA-WAHL Zieht der Kanzler im Osten?

Kerstin Münstermann Büro Berlin
Delitzsch
Blick in die Räucherkammer bei Aal Bruns in Kayhauserfeld: Marco Pawlik ist mit der Qualität zufrieden.

DELIKATESSE NACH ÜBERLIEFERTER REZEPTUR Woher kommt der Zwischenahner Aal?

Kerstin Schumann
Kayhauserfeld