Was wird Ihnen von den Dreharbeiten am längsten im Gedächtnis bleiben?
SommerDie unglaubliche Freundlichkeit mit der wir von den Menschen und staatlichen Stellen empfangen wurden. Sie haben, wenn nötig, das Unmögliche möglich gemacht. Ein Grund dafür ist natürlich, dass die Fernsehsendung Werbung für Tunesien ist. Diese braucht das Land dringend, da die Besucherzahlen dramatisch zurückgegangen sind. Auch meine Familie und ich waren vor der Abreise angesichts der Warnungen des Auswärtigen Amtes besorgt.
Wie sind Sie zu der „Rolle“ gekommen?
SommerSeit meiner Dissertation vor fast 20 Jahren beschäftige ich mich mit den Phöniziern. Ich habe bereits mehrere Bücher zu diesem Thema veröffentlicht. Darüber sind die für die Sendung Verantwortlichen auf mich aufmerksam geworden.
Wie lief ein Drehtag ab?
SommerSo ein Drehtag ist sehr anstrengend: Wir mussten enorm früh aufstehen, haben in aller Eile gefrühstückt und sind zum Drehort gefahren. Das war zum einen die alte Hauptstadt der Karthager sowie deren Kriegshafen. Dort wurde unglaublich viel Technik aufgebaut, „geschminkt“ und gedreht. Manche Szene klappte gleich, andere mussten bis zu sechsmal gefilmt werden, weil ich es vermasselt habe, ein Auto vorbeifuhr oder Touristen zu laut miteinander redeten. Gedreht wurde oft von den frühen Morgenstunden bis in den Nachmittag.
Waren Sie aufgeregt?
SommerNein, eigentlich nicht. Die Leute haben eine gute Atmosphäre geschaffen. Außerdem habe ich ein bisschen Medienerfahrung und halte meine Vorlesungen seit Jahren frei. Aber am Ende war ich geschlaucht.
Worum geht es in der Sendung?
SommerDer Obertitel ist „Große Völker“, zu denen die Karthager zählen – auch wenn man sie im Schulunterricht nur als Gegner der Römer kennenlernt. Ein Ziel ist, den Karthagern etwas historische Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Denn nachdem Karthago von den Römern zerstört worden war, haben die Römer die Erinnerung an die Karthager gezielt getilgt.
Da ich Einfluss auf das Drehbuch nehmen konnte, habe ich dafür gesorgt, dass die Phönizier ebenfalls erwähnt werden. Denn diese haben Karthago als Kolonie gegründet. Karthago wurde relativ schnell selbstständig und stieg zur politischen Großmacht auf – im Gegensatz zu den Phöniziern, deren Schwerpunkt der Handel war.
Wie wird das rübergebracht?
SommerWir haben sehr viel an Originalschauplätzen gedreht. Die Sendung besteht aus einem Mix von Interviews, von Schauspielern nachgestellten Szenen, Geschichte und Archäologie. Die Inhalte werden alle sehr allgemeinverständlich präsentiert.
Haben Sie Lust so etwas noch einmal zu machen?
SommerJa, auf jeden Fall. Ich finde, dass wir Wissenschaftler die Medien brauchen, um wenigstens einen kleinen Teil unserer Forschung öffentlich zu machen.
Die Sendung „Die Kathager“ in der Reihe Terra X wird voraussichtlich im Herbst im ZDF ausgestrahlt.
