Oldenburg - Produziert die Agrarindustrie das richtige Saatgut für eine zukunftsfähige Landwirtschaft? Können gemeinschaftliche Besitzrechte an Pflanzensorten einen ökologischen und sozialen Wandel im Pflanzenbau anstoßen? Ob und wie man Saatgut und Sorten als Gemeingüter denken kann, erforscht die neue Nachwuchsgruppe „Right Seeds“ um Prof. Dr. Stefanie Sievers-Glotzbach am Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik der Universität Oldenburg.
Im Verbund mit der Universität Göttingen, Abteilung Agrarökologie, dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung Berlin und weiteren Partnern aus der Praxis untersuchen die Wissenschaftler, wie gemeingüterbasierte Sortenzüchtung und Saatgutproduktion den Pflanzenbau sozial und ökologisch verändern können.
Historisch gesehen sind Gemeingüter in der Landwirtschaft langbewährte Praxis. „Saatgut war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Ressource, die von Landwirten als Gemeingut erhalten, getauscht und auf den Feldern weiterentwickelt wurde“, erklärt Sievers-Glotzbach. Mit der Intensivierung im Agrarsektor entwickelte sich die Pflanzenzüchtung jedoch zu einem kommerziellen System, das auf umstrittene biotechnologische Methoden, nicht nachbaufähiges Hybrid-Saatgut und Patentierung setzt.
Das Eigentum an Sorten liegt in der Hand privater Unternehmen, die die Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion auf Hochleistungssorten für die industrielle Landwirtschaft konzentrieren und somit ihre Monopolstellung ausbauen. Weltweit geht dadurch die Vielfalt kultivierter Nutzpflanzen zurück.
Der Gemeingüteransatz stellt vor allem für die ökologische Landwirtschaft eine Alternative zur konventionellen Züchtung dar: Er fördert die Nutzpflanzenvielfalt und bietet das Potenzial einer unabhängigen und angepassten Saatgutproduktion für den ökologischen Anbau.
